Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1862-1863)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1862)
- Article
- Kislew
- Date
- 1862-12-01
- Page
- 100 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Kislkw. 100 Wie werden nun, ben Menschen zugewandt, sich die Bestrebungen der Menschen gestaltet haben, welches werden die Prinripten ihrer Politik und ihres socialen Verhaltens gewesen sein, ober — nm im richtigem Sinne der Weisen zu sprechen — welches wird die herrschende sittliche Richtung gewesen sein, aus welcher jene Weltanschauung entsprungen? Denn wie sehr auch jede Zeit bemühet ist, ihr sittliches Verhalten als auf der Basis ihrer Weltanschauugen beruhend zu vertheidigen, und man auch allgemein geneigt ist, theoretisch die sogenannten Moralphilosophien als Consequenzen metaphysisch seststehen sollender Wahrheiten zu deduciren, so ist doch, wie die Weisheit der Weisen treffend bemerkt, der wirkliche genetische Vorgang der umgekehrte. Nicht folgt das Herz dem Auge, sondern das Auge folgt dem Herzen. ולא חחורו אחרי לבבכם ואחרי עיניכם מגיד ספרי) שהעמים הולכות אחרי הלב). Nicht nach dem, wie die Menschen die Welt anschauen, gestalten sie sich daS System ihrer Moral; sondern nach dem, wie es der sittlichen Richtung der Menschen ge-- mäß ist, gestalten sie sich daS System ihrer Weltanschauung. Der Mensch sucht nur daS, wofür er im Herzen die Basis hat; er will nur das sehen, was der Richtung seines Herzens adäquat ist; seine Philosophie dient nur als Stützpunkt, und Beschönigungs-Grund seiner schon im vorhinein fertigen Moral. Eine Zeit, die Gott, Einheit, Freiheit und Sittlichkeit aus ihrer Anschauung der Weltordnung verloren, hat zuvor bereits Gott, Einheit, Freiheit und Sittlichkeit in Herz und Leben eingebüßt׳. Fragen wir nach den Trägern und den bewegenden Hebeln des politischen und socialen Lebens dieser jesaianischen Welt, so treten uns überall Momente der Macht mit ihren Attributen der Pracht und der Lust entgegen, und sittliche Momente machen sich nur durch ihre Abwesenheit und Nichtbeachtung bemerkbar. Silber und Gold, Schätze, Rosse und Wagen füllen die Erde und darauf gründet sich (Jes. 2) גבהות ארם und רום אגשים, gründet sich die hohe Meinung der Menschen von der Menschheit im Ganzen und innerhalb derselben die Uebercinanderschachtelung der Individuen, die Reichere und Reichste, Mächtigere und Mächtigste hoher rangtrt. Und während Werthschätzung nach sittlichen Momenten die wirkliche und wahrhastige Gleichheit Aller ermöglichte, warf nothwendig die Menschenvrdnung nach Macht und Vermögen eine nimmer zu beseitigende '1