Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1862-1863)
- Issue
- Heft 2 (November 1862)
- Article
- Rückblick auf jüdische Niederlassungen in Australien
- Date
- 1862-11-01
- Page
- 88 (sequence 3)
- Language
- German
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88 Rückblick auf jüdische NIederlaffnngcn in Australien. würde es viel weniger schwer sein, ein oder zwei Männer zu sinden die tauglich wären alle geistlichen Obliegenheiten zn erfüllen, und sei es in einer schon bestehenden oder zu diesem Zwecke improvistrten Synagoge predigen können. Die Vortheile einer solchen Einrichtung liegen ans der Hand; die Ankunft eines solchen gehörig autorisirten Predigers in einem Orte wo Glaubensgenossen wohnen, würde an und für sich in vielen Fällen hinreichen die Gleichgültigen aus ihrer Letargie zu weckenund sie anzufeuern sich zur Erfüllung ihrer communalen Pflichten zu einer Gemeinde zu constituiren. Diejenigen die noch Gefühl haben für die Reltginn der Väter, würden sich natürlich um ihn schaaren, und ihn in der Begründung communaler Verhältnisse unterstützen. Seine von Zeit zu Zeit wiederholten Besuche sowie seine Ermahnungen würden den religiösen Geist wachhalten und die neuen Ankömmlinge die eine Organisation vorfänden, würden sich ihr anschließen und so der jüdischen Gemeinschaft erhalten bleiben, während sic sonst, wie so häufig isoltrt bleibend nach und nach der väterlichen Religion entfremdet und zuletzt für immer von den umgebenden ntchtjüdischen Massen absorbirt werden würden, andern ohne einen ständigen Rabbiner bestehenden Gemeinden würde er eine verbindende Kette bilden. Religiöse Fragen die von Zeit zu Zeit in jeder jungen Gemeinde entstehen, würden durch seine Autorität geschlichtet und so manchem Zwietracht vorgebeugt werden. Sein Rath würde sie in ihren Wohlthätigkeits und religiösen Institutionen leiten und ihren. Eifer anfachen. Die Besuche eines solchen Reisepredigers würden natürlich mit der Ernennung eines Perm«- nenten Rabbiners in einer Gemeinde aufhören. Man würde übrtgens irrthümlich eine solche Einrichtung für eine Neuerung in Jsrael halten. Sie bestand durch Jahrhunderte in allen jüdischen Wohn- Plätzen in Europa und besteht jetzt noch in vielen. Es gaben und gibt noch jetzt reisende Rabbinen die unter dem Namen Magidim von Gemeinde zu Gemeinde reisen um religiöse Vorträge zu halten. Auch sind an denselben Orten reisende Vorbeter bekannt, die an Säbbath oder Festtagen Gottesdienst in den verschiedenen Synagogen halten. Alles was wir befürworten ist die Adaptirung einer alten ursprünglich jüdischen Institution für neue Verhältnisse und ihre Anwendung zu einem Zwecke-von eminenter Nützlichkeit. Um aber, den gewünschten Erfolg zu haben muß natürlich wenigstens