Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1862-1863)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1862)
- Article
- Deutschland : Berlin [Nachricht]
- Date
- 1862-10-01
- Page
- 47 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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47 er behauptet, lediglich auf Ungerechtigkeit und Willkür beruhe. Uebrigens habe die Sache auch für die Selbstständigkeit der Commune» ihre große Bedeutung, und das Haus habe darum auch nach dieser Seite hin alle Ursache, den Commtsstons-Antrag zum Beschluß zu erheben/ Der Schluß der Discussion wird beantragt und angenommen. Es folgen noch mehrere persönliche Bemerkungen, bei welcher Gelegenheit der Abg. Berger aus Posen unter großem Beifall des Hauses die Erklärung abgicbt, daß er seine Stiftung für die Realschule zu Posen (50,000 Thlr.) nur in der Voraussetzung gegründet habe, daß die Artikel 4 und 12 der Berfassung ohne Weiteres zur Ausführung kommen würden. — Der Referent Abg. Röpell: Zum Schluß der Debatte wolle er nur noch Eines hervorheben: Während in Preußen 50 Jahre nach dem Edikt von 1812 und 12 Jahre nach dem Erscheinen der Verfassung eine Debatte, wie die heutige, noch stattsinden müsse, sei in Rußland die Emancipation der Juden erfolgt. Redner verliest die betreffende telegraphische Depesche aus Petersburg. Wer - müsse da nicht denken an das Quousque abutere patieutia nostra! Der Commissionsantrag wird fast einstimmig angenommen. Schluß der Sitzung. — Dieser Tage ward in Gollub (Westpreußen) von der dortigen Stadtverordneten-Versammlung ein Jude, der Rentner Nathan Cohn, zum Bürgermeister der Stadt gewählt, und zwar mit 6 gegen 2 Stimmen, vier evangelische Stadtverordnete hatten sich der Abstimmung enthalten. Die Wahl unterliegt nach § 33 der der Städte-Ordnung der Bestätigung der Regierung zu Marienwerder. Es ist dieß in Preußen wohl der erste Fall von der Wahl eines jüdischen Bürgermeisters. Osfenbach, 13. Sept. Ein hiesiger junger Israelit wird schon einige Zeit vermißt, und es waren die bisherigen Recherchen nach demselben vergebens. Man spricht von einer Art Mortara-Geschichte, die ihren Anfang in Seligenstadt genommen haben soll. Näheres werden wir nach Einsicht der bis jetzt darüber stattgehabten behördlichen Aufnahmen mittheilen. Serbien. ׳ Semlin, 3. Sept. Die serbischen Juden, denen man hier mit großer Toleranz und Humanität seit dem Bombardement von Belgrad nicht allein den Aufenthalt gestattet, sondern einem Theil derselben auch freies Quartier in den österreichischen Contumazgebäuden gegeben, haben heute den Befehl erhalten, in drei, spätestens in acht Tagen die Quartiere zu räumen und die Militärgrenze zu verlassen. Die Juden aus Belgrad, durchweg Kaufleute, haben in