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Jeschurun · 1862-09-01 · Heft 12 (September 1862) · p. 596

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1861-1862)
Issue
Heft 12 (September 1862)
Article
Italien : Appercu eines Reisenden ... [Nachricht]
Date
1862-09-01
Page
596 (sequence 3)
Language
German
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596 Die Rabbknen in Venedig und Turin wohnen unweit oder in den ehemaligen Ghettis, die Gottlob nunmehr gefallen sind. — Der Rabbiner in Venedig leitet die Talmud-Thora und ist Borsteher der Schomcrlaboker Chevra, die Morgens um sechs Uhr Gottesdienst hält, und wozu er auch regelmäßig erscheint. In Verona hat seit einigen Jahren ein jüdischer Bankier eine Mtkwoh unweit seines Hauses mit der Gemeinde gebaut. Mailand zählt ungefähr 1000 jüdischer Seelen, die, obgleich sie eine Synagoge haben, tm übrigen doch ohne weiteren Zusammenhang leben. Die jüdischen Zustände in Turin haben das wohlthuende Aeußere einer frommen jüdischen Gemeinde; man zählt daselbst eine italienische und eine spanische und eine Synagoge des deutschen Min- Hags; die Aussprache in allen Synagogen Italiens ist die sephardische; man baut in Turin eine neue Synagoge. Der Samstagsgottesdienst beginnt um acht Uhr; die Synagogen sind ziemlich voll; der Rabbiner hielt nach beendigtem Gottesdienst einen viertelstündigen Vortrag in italienischer Sprache; er trägt keinen Ornat, und setzt sich dabei auf einen erhöhten Stuhl an der Seite, in׳ der ungefähren Höhe einer Kanzel; er hat ein schönes Organ und eine fließende Sprache. Es giebt sehr reiche Inden in Turin, die auch sehr angesehen und religiös sind, namentlich Baron Todros, der Eapttän in der Garde nationale sein soll. So wie Turin der Sammelplatz der politischen Flüchtlinge ist, so scheinen sich dort auch die Opfer der religiösen Verfolgung einzufinden; wir sahen dort den Vater -es unglücklichen Mortara, einen einfachen handeltreibenden Juden. Die italienischen Juden erscheinen, im Allgemeinen aufgefaßt und dem Aeußern nach beurtheilt, als die Kehrseite der holländischen Juden. Die Juden Hollands erscheinen ungebildet, jedoch streng gewissenhaft in der Ausübung der jüdischen Ritualgesetze. Die italienischen Juden, in Form, Sprache und Umgang' gebildet und den guten Manieren mehr huldigend, haben zwar allgemeine Kenntntß des Judenthums und der jüdischen Sprache, scheinen jedoch — so wett hierüber der flüchtigen Beobachtung eines Reisenden ein Urthetl zustehet — weniger genau oder weniger kundig in Ausübung der religiösen Vorschriften zu sein. England. E. C. London, 8.Aug. SirF. Goldsmid lenkte vor Kurzem in einer Unterhaus sitzung die Aufmerksamkeit auf eine in Saratow in Rußland vorgekommrne Judenverfolgung. Die Verfol-

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