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Jeschurun · 1862-09-01 · Heft 12 (September 1862) · p. 595

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1861-1862)
Issue
Heft 12 (September 1862)
Article
Italien : Appercu eines Reisenden ... [Nachricht]
Date
1862-09-01
Page
595 (sequence 2)
Language
German
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595 in denen er sich erging. Wir halten diese ׳ nirgends an ihrem Platze, dm allerwenigsten in einem so ernsten Momente, in welchem es gilt, zwei Menschen Entschlüsse für die ganze Zukunft ihres Lebens fasse» zu lassen. Cantor und Chorknaben sangen die Brochaus in gewohnter Meisterschaft; Gottesdienst und Feierlichkeit schließen gewohnlich mit einem Knalleffekt des berühmten Chasons, dessen Stimme ihre jugendliche Frische und Kraft bewunderungswürdig beibehält. Die deutsch-italienische Shnagoge in Triest ähnelt ihrer Schwester in Wien; die spanische, so wie fast überall, behält ihren eigenthümlich jüdischen Charakter. Die italienischen Synagogen im Allgemeinen gleichen durch ihre ovalen Formen und ihre vergoldeten und verzierten Wände, eher Concertsälen; die Vorträge der Vorbetenden sind undeutlich, ihre Stimmen schwach; das Publikum schwatzt, und hat wenig Decorur»; die jungen Leute erscheinen meistens mit Spazterstöckchen; aber 1-he Neuerung ist im Allgemeinen verpönnt, nur in' zwei Synagogen, deren Venedig sechs zählt, hat man gewagt, etwas Musikbegleitnng einznführen. Man beginnt mit dem Schabbos-Morgengottesdienst daselbst um 9 Uhr; die Seforim sind grvßtentheils mit Seide überzogen; bei Hagboo hält man dieselben an die Fenster, der Straße zu; um 1^ Uhr wird Mincha gebetet; nach demselben ein Vortrag in italienischer Sprache im Talmud Thoralokal, worauf dem Fremden das Lernkadisch verehrt zu werden Pflegt. Die Gemeinde in Venedig ist sehr wohlthätig und auch vermögend; sie zählt ca. 500 Familien; während des Peßachfestes sorgt die Gemeinde für die Bedürfnisse der jüdischen Soldaten; in dem 1859t Jahre, wurden «Kein 5—600 Soldaten der österreichischen Armee während der acht Tage verköstigt; jeder Unbemittelte im Allgemeinen empfängt seinen Bedarf in liberaler Weise; die jüdischen italienischen Bankhäuser und Kaufleute schließen grvßtentheils an allen Fest- und Samstagen; die Deutschen grvßtentheils allein machen leider darin eine bedauerliche Ausnahme. Der Rabbiner in Venedig ist ein gelehrter Mann; die italienischen Rabbiner sollen jedoch den jüdischen Anstalten und Aus- Übungen nicht die gehörige Aufmerksamkeit widmen; sie scheinen mehr Philosophen sein zu wollen; sie sollen im Allgemeinen Mikwoh und Schechita nicht überwachen, und wird namentlich darüber von gesehestreuen Juden geklagt; die Garküchen in Venedig, Verona, Mailand und Turin sollen ganz koscher geführt sein; am Schabbos jedoch dürfte noch manches zu wünschen übrig sein; die Garkuchen in Mantua und Genua sollen nicht als koscher empfohlen werden können. 4

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