Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1861-1862)
- Issue
- Heft 12 (September 1862)
- Article
- Zur Geschichte der Judenverfolgungen im 14. Jahrhundert
- Date
- 1862-09-01
- Page
- 589 (sequence 9)
- Language
- German
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/ Do» vr. M. Ralph. §83 ״vieng" wie sich der zeitgenössische Geschichtsschreiber ausdrückt, sämmtliche Juden, die freilich schon seit längeren Tagen durch bewaffnete Macht an den Eingängen der Judenstadt in ihren engen Mauern gefangen gehalten waren. Es waren ihrer 2000, Männer, Weiber, Kinder und Greise. Einen Versuch zum Widerstande scheinen sie nicht gemacht zu haben; wehrlos wie das unschuldige Lamm gaben sie sich preis. Sie hatten während der langen bangen Tage ihrer Cernirung Zeit, sich mit Tobeögedanken zu befreunden — nicht mitten aus ihrer ״Sündenschwere" wurden sie herausgerissen. Wenn sie einen Trost hatten, so war es der, daß man nicht Gatte von Gattin, nicht Mutter vom Kinde trennte; die arme Mutter hatte doch noch den Trost, während der langen Winternacht, der letzten, die sie vom Todestage trennte, ihren Säugling, der vielleicht mit hoffnungsvoller Kindesmiene ihr tief in's Herz hineinlächelte, am warmen Mutterbusen zu schützen und zu Herzen; der Jüngling konnte noch das schützende Gewand um den alten Großvater oder die Großmutter hüllen, sie zu wärmen in der grimmigen Kälte der Februarnacht; — der Gatte konnte die verzweifelnde Gattin aufrichten und selbst Trost zu schöpfen aus der Festigkeit seines todesmuthigcn Weibes;— sie alle, alle konnten sich gegenseitig Muth einsprechen, konnten sich sammeln zum letzten Todesgange auf Erden, konnten sich gegenseitig den letzten Todcsschwur der felsenfesten Treue an Den leisten, der diese furchtbar ernste Prüfung über sie verhängt, ״leichter beschwingt zu sein als der Adler, muthiger, stärker zu sein als der Löwe, zu erfüllen den Willen ihres Eigners, zu vollbringen das, was der Fels der Zeiten in unerforschbarem Nathschluß über sie verhängt" - Im Palais du Luxembourg hängt ein herrliches tief ergreifendes Bild ״die gefangenen Royalisten vor ihrer Hinrichtung"; um wie tiefer ergreifen, wie jede Fiber des Herzens in Schwingung versetzen müßte das Bild, das die armen wehrlosen 2000 Inden Straßburgs, Männer und Frauen, Greise und Kinder in der Frcitagabcndnacht vom 13. zum 14. Februar 1349 zum Vorwurf hätte! Ihr Schicksal sollte sich bald erfüllen. Ihre Mitbürger hatten inzwischen schon Vorkehrungen getroffen, um sie nicht lange im Un--