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Jeschurun · 1862-09-01 · Heft 12 (September 1862) · p. 587

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1861-1862)
Issue
Heft 12 (September 1862)
Article
Zur Geschichte der Judenverfolgungen im 14. Jahrhundert
Date
1862-09-01
Page
587 (sequence 7)
Language
German
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waffnete Masse zog nun in geschlossenen Reihen Gr den Handwerkcrhof wo ihr Chef rcsidirte. Man rief ihn heraus und der Lappe haranguirte ihn mit derselben Anrede, die er an die zwei andern Bürgermeister gerichtet, forderte ihn auf die ״Antwerg, ire eide lebig" zu sagen, die sie ihm öffentlich oder ״beimclich hettent gesworeu". Nicht so nachgiebig wie seine College« suchte er mit der Masse zu parlamcntiren und frug, was man denn eigentlich gegen ihn habe, was er verbrochen hätte. Und erst als ihn der ״große Hans Marx" sein Sündenregister in bündigen Worten vorgchalten und seine College« ihm zur Nachgiebigkeit gerathen, dankte er ab und gab die Akten heraus, die er von Amtswegen besessen. Leicht hätte er aber seine Unbeliebtheit bei den Massen mit deimLcben bezahlen müssen, denn noch spät des Abends, als sich die Bürgermctsicr zrirückgezogen hatten, stürmten mehrere der ergrimmtesten Hand- Werker nach seiner Wohnung um ihre Wuth an ihm zu kühlen; glücklicherweise trafen sie ihn aber nicht mehr an, er hatte das Anglück vorauösehend die Flucht ergriffen. Die Massen blieben die ganze Nacht vor dem Münster auf den Beinen, eine gewaltige Aufreguug herrschte in der ganzen Stadt. Wer vermochte aber zu schildern was in den, in ihrer engen Gasse eingeschloffencu unglücklicher- Juden vorging. Umlagert von tobenden Volksmaffcn, jede Aussicht ans Rettung abgeschlossen, mit welch' von Schreck und Angst durchzuckte!׳- Gemüthern mögen sie den Gang der Ereignisse verfolgt haben. Drang vielleicht Anfangs, durch das muthige Auftreten der Bürgermeister, e'u leichter Hoffnungsschimmer in ihre dem Tode geweihte Lage, so war doch mit dem' Sturze ihrer Beschützer der Stab über sie vollends gebrochen. Was sie weiter zu thun hatten, war nichts, als in der gewissen Aussicht auf den Untergang noch zum letzten Male die felsenfeste Treue an die alte Lehre in ihre Brust mit Flammenzügcn einzgraben, und ein Gebet um Rettung hinaufzuscndrn zum Vater über den Sternen, da auf Erden kein Hoffnungsstrahl ihnen mehr winkte. Ihr Untergang stand fest, und eilte jetzt mit unaufhaltsamer Eile dem verhängnißvollen Ende zu. Es war wirklich wie .die Überschrift des Chronisten über die nun folgenden Ereignisse lautet, eine ״unmüssige Woche".

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