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Jeschurun · 1862-09-01 · Heft 12 (September 1862) · p. 560

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1861-1862)
Issue
Heft 12 (September 1862)
Article
Elul
Date
1862-09-01
Page
560 (sequence 2)
Language
German
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560 - Elul. Urenkeln gedenkt — «nd es könnte eine Thatsacheuns irgend schwerer aufs Herz fallen, als eben diese?! Wir haben Kinder, haben Enkels von ihnen werden uns Urenkel erblühen, — Kinder, Enkel und Urenkel dürften noch zu tragen haben an unseren Fehlern und Vergehen, an unfern Verirrungen und Versündigungen, — Kinder, Enkel und Urenkel dürften noch zu büßen haben, was wir, ihre Vater und Groß- Väter verschuldet! Giebt es Etwas, das uns zu einer ängstsichern Gewissenhaftigkeit, zu einer besorgter« Strenge gegen uns selbst, zu einer ruhelosem Aufmerksamkeit auf all unser Thun und Lassen bestimmen müßte, als eben dies Bewußtsein: die unschuldigen Kleinen, die wir auf unserm Schoße schaukeln, die wir auf unfern Armen tragen,, und die hoffend und so vertrauensvoll zu uns aufblicken, daß wir ihnen das glücklichste, heiterste Loos bereiten mögen, dürften noch einst die Fehler zu beweinen haben, deren wir uns in Gedankcnlosigkeit, in Schwäche, in Leichtsinn und Leidenschaft schuldig gemacht?! Siehe, wir können nicht zu Gottes Gerechtigkeit klagend hintreten: ״Wir haben gefehlt, wir haben gesündigt, ואלה הצאן מה IN-, was haben diese unschuldigen Lämmer versündigt?" unsere Kinder sind eben unsere Sprossen und Zweige und wir sind ihnen Wurzel und Stamm: Der kranken Wurzel, dem siechen Stamm entwachsen keine gesunden Sprossen, keine fröhlich heitern Zweige; und wenn wir unser leibliches, geistiges und sittliches Wesen, aus welchem auch das Wesen unserer Kinder erwächst, sündhaft getrübt, wenn wir den Wer unseres mcnschen-gesellschaftlichen Strebens, in welchem auch das bürgerliche Glück unserer Kinder seinen Boden finden soll, mit Unrecht bestellt, so haben wir eben uns zu einer unheilvollen Wurzel der menschlichen und bürgerlichen Zukunft unserer Kinder gemacht, und haben ihre Lebensaufgabe ins Trübe und Schwierige gestellt. Bedarfs doch überhaupt nur eines kleinen Nachdenkens um einzusehen, daß Glück und Unglück, Gesundheit und Krankheit, Reichthum und Armuth, Glanz und Elend mit Nichten nur als Lohn und Strafe der Sterblichen zu begreifen sein. Sie sind ebenso oft nichts, als die besondern Nüancen und Seiten der׳ Einen, allgemeinen, aber in größter Mannichsaltigkeit der Bedingungensund Zustände zu lösenden Aufgabe des Lebens. Der Mann, dessen Wiege in der

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