Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1861-1862)
- Issue
- Heft 11 (August 1862)
- Article
- Rückblick auf die Niederlassungen und Zustände der Juden in Amerika und den benachbarten Inseln
- Date
- 1862-08-01
- Page
- 537 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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in Amerika und dm benachbarten Inseln. 537 ten anfzustacheln. Nichts ist leichter als den Gegner einen rniserablen Ignoranten, einen Heuchler zu nennen und auf sein verdammtes Haupt die Schale des Zornes auszugießen. Das Wörterbuch ist für jeden geöffnet, und es ist nicht schwer die gemeinsten Bezetchnungen auszuwählen, und sie gegen einen ehrenhaften Gegner zu schleudern. Die Angelsachsen haben schon seit langer Zeit aus ihren Streitschriften alle die heftigen Ausdrucke gebannt, die das Herz verwunden aber vom Kopfe abprallen. Warum soll unsere gereinigte Sprache wiederum durch den schmutzigen Mißbrauch besudelt werden, der noch jetzt deutsche Polemik besudelt? Wir sind ohne Zweifel den deutschen Brüdern in Wahrheit für die Keime geistigen und intellektuellen Fortschrittes verpflichtet, die sie weit jenseits des Oceans ausgestreut haben. Aber während wir dankbar von ihnen das annehmen, was ohne Zweifel unser Wohlergehen befördert, so laßt uns doch ängstlich dasjenige auöschlteßen, was ebenso sicher die dargebotenen Dorthcile aufheben würde. Die jüdischen Niederlassungen tu Amerika sind noch jung, die neuen Zuzüge machen den Prozeß der Klärung schwer und langsam, deßhalb können hervorragende Leistungen in irgend einem Gebiete der Kunst oder Wissenschaft nach nicht von ihnen erwartet werden, wiewohl in einer andern Generation, wenn amerikanischer Einfluß sie zu einer homogene Masse gebildet, und die fremden Ansichten ihrer' Väter, die noch nicht in Ucberetnstimmung mit den neuen Jnstitutiouen standen, durch andere, aus dem neuen Boden entsprungene ersetzt haben wird, eine neue Phase geistiger Entwickelung, unbekannt der alten Welt, sich wahrscheinlich aus der neuen Lage und Combi- Nation entwickeln wird. Aber auch das jetzige amerikanische Judenthum entbehrt nicht Männer von ausgezeichneter Gelehrsamkeit, aber diese stammen noch von auswärts; einheimische Talente haben noch nicht Zeit gehabt sich zu entfalten. Der religiöse und geistige Fortschritt der amerikanischen Gemeinden scheint ebenfalls bedeutend durch den Mangel competenter geistiger Führer behindert zu sein. Das Bedürfniß hat daselbst noch nicht die nöthige Versorgung herbeigeführt, und die neugcbtldeten Gemeinden sehen sich vergebens nach Predigern um. Unter diesen Umständen wird es nicht überraschen, daß die jüdische geistige Thätigkeit sich fast nur in den Erzeugnissen