Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1861-1862)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1862)
- Article
- Ungarn : Pest [Nachricht]
- Date
- 1862-07-01
- Page
- 506 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
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- Oradea 1× ep/1002404
OCR text
506 räthen bestehende Commission in die Synagoge, uni dort einen gerichtlichen Befund aufzunehmen, ohne Zweifel in der zu billigenden Absicht, daß den Wühlereien jede Nahrung entzogen werde. Und sie entdeckten dort schreckliche Dinge; alle Deckbalken waren verschwunden, denn zufällig hat die Synagoge, seit sie besteht, eine stukkaturirte Decke. Man fand weder einen Nagel, noch auch nur die Spur, daß ein Nagel irgendwo eingeschlagen gewesen wäre, an welchem man das Schlachtopfer hätte aufhängen können. Weil sich also hieraus keine verdächtigen Spuren ergaben, so blieb nichts übrig, als in den Spuren der vermöge ihrer Schwere abwärts strebenden Körper, d. h. der Blutstropfen, auf dem Fußboden Verdachtsgründe zu suchen, doch habe ich nicht ׳nöthig zu sagen, daß auch hier die Untersuchung zu allem Anderen, nur nicht zur Entdeckung führte Nachdem die Untersuchung auf diese Art beendet war, wurden die Akten an den Obergespans-Stellvertreter nach Großwardein gesendet; ich aber eile, auf dem Felde der Oesfentlichkeit den übrigen schädlichen Folgen solcher verabscheuungswürdigen Wühlereien vorznbcugen. Je- Hermann weiß es, daß böse Gerüchte sich mit Blitzesschnelle verbreiten, während gute Nachrichten nur mit bleiernen Füßen vorwärts schreiten. So verhält es sich auch mit der obigen lügnerischen Erdichtuug. Das Gerücht von der Ermordung des fraglichen Mädchens durchläuft nicht blos die ganze Stadt, sondern die ganze Umgegend, und bis die Leichtgläubigen sich von der Unwahrheit dieser Nachricht überzeugen, kann es sich leicht ereignen, daß das Volk irgend einen jüdischen Gastwirth in einem oder dem andern abseits liegenden Dorf seine Leichtgläubigkeit fühlen läßt. Es ist eine traurige Sache, daß das Volk solchen Erdichtungen Glauben schenkt, welche nichts Anderes bezwecken, als die verschiedenen Religionsgenossenschaften gegen einander auszurcizen, und noch bedauernswürdiger ist es, daß auch viele solche Individuen, bei denen man billiger Weise eine etwas größere Reise voraussetzcn könnte, solchen Gerüchten Glauben schenken und dadurch einerseits ihre geistige Unmündigkeit verrathen, andererseits aber die Legislative beleidigen, vorausgesetzt, daß unsere Gesetze, sei es aus Unkenntniß, sei cs aus Vorsatz, innerhalb der Grenzen ihrer Macht eine solche Reltgionsgenosseiischaft dulden, welche durch das Hinschlachten unschuldiger christlicher Jungfrauen Gott ein wohlgefälliges Opfer zu bringen glaubt " — (P. C.) Temesvar. Der österr. Oberarzt vr. Leopold Kohn vom 61. Infanterie-Regiment hat sich vor einigen Tagen in Temesvar erschossen; Veranlassung hierzu bot, wie die ״Med. Wochenschrift" schreibt, eine Beschimpfung von Seiten eines Offiziers, der auf eine erfolgte Herausforderung erklärte: mit einem Juden, wenn er, auch den Offiziersrang besitze, sich nicht schlagen zu wollen; die ursprüngliche Veranlassung zur Beschimpfung des vr. Kohn soll darin be-