Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1861-1862)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1862)
- Article
- Zur Geschichte der Judenverfolgungen im 14. Jahrhundert
- Date
- 1862-07-01
- Page
- 497 (sequence 17)
- Language
- German
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497 Vsn Dr. M. Ralph. Beschuldigungen gegen einzelne Juden in Straßburg selbst enthalten sind. Wußten die armen Kentzinger Delinquenten auch vielleicht nicht einmal den Namen eines einzigen Straßburger Juden, so konnte die Tortur ihnen dennoch in der leichtesten Weise die Denuuctrung eines Jakob, Säzekind oder Abraham aus Straßburg — die gewöhnlichsten Namen der Juden—entlocken. Nun denke man sich die schon ohnehin durch allerlei vage Berüchtc aufgeregte Bevölkerung Straschurgs, der man jetzt Juden ans ihrer Mitte namhaft macht, die zu Raub und Mord von' Christenkindern aufgeheht, die weithin ihre Glaubensgenossen zur Vergiftung der Brunnen und Gewässer aufreizen, und man wird es erklärlich finden, daß durch solche Berichte der Fanatismus und die Mordgier bis zum Gipfelpunkt aufgestachclt werden mußte. Noch sollte sich jedoch die furchtbare Catastrophe nicht über die Häuser der unglücklichen Straßburger Juden entladen. Noch gelang es den Bemühungen des Rathes die ausgeregten Massen tm Zaume zu halten. Einen nicht geringen Antheil an diesem lobenswerthen Verhalten der Straßburger Obrigkeit hatte gewiß die Correspondenz, die sich inzwischen mit Cöln angekuüpft hatte, und die dringendsten Ermahnungen zur Vorsicht und Mäßigung die von dorthin nach Siraßburg gelaugten. Auch dort waren nämlich die Gerüchte von der Brunnenvergiftung der Juden aufgetaucht und hatten die Gemüther in große Erregung versetzt. Der Rath, ungewiß was von ihnen zu halten sei, wollte einerseits die Juden vor jeder ungerechten Unbill schützen, andererseits wenn sie schuldig waren, strenge bestrafen und die nöthigen Vorkehrungen gegen die Brunnen- Vergiftung treffen. In dieser Verlegenheit erhielt er von dem Comthur des deutschen Hauses, der gerade von Straßburg znrückgckehrt war, die Kunde von der (obenerwähnten) Zusendung des gefangenen Juden aus Bern. Er wandte sich deßhalb am 15. December 1348 an den Straßburger Rath mit der Bitte, ihm Alles mitzutheilen, was er von jenem Juden erfahren, damit sie danach ihre Maßregeln ergreifen konnten. Das Schreiben lautet, wie folgt: Prudentibus et bonis Viris Judicibus Scabinis et consulibus civitatis Argentinensis, Amicis nostris dilectis. Vnsern") freundlichen Gruß und alles gutes allzeit zuvor in al- 40) Wir ziehen es vor die ersichtlich aus späterer Zeit wahrscheinlich von Schtl׳ ter herrührende deutsche Uebersetzung des laieinischen Ortgtnaltertes zu geben.