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Jeschurun · 1862-06-01 · Heft 9 (Juni 1862) · p. 456

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1861-1862)
Issue
Heft 9 (Juni 1862)
Article
Rückblick auf die Niederlassungen und Zustände der Juden in Amerika und den benachbarten Inseln
Date
1862-06-01
Page
456 (sequence 5)
Language
German
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456 Rückblick auf die Niederlassungen und Zustände der Juden ltsche Glaubensgenossen Ansehen genug beim Hof zu Rio besahen, um für Protestanten die Errichtung einer Kirche in der Hauptstadt Brasiliens zu einer Zeit zu erlangen, wo der Liberalismus noch nicht so fest begründet und erprobt war wie jetzt, nicht ein einziger Versuch zur Errichtung einer Synagoge in späterer Zeit gemacht wurde, nachdem jedes gesetzliche Htnderntß verschwunden war. Brasilien besitzt indessen ein besonderes Interesse für uns Juden. Es war nämlich in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts während einiger Jahre der Sitz einer bedeutenden jüdischen Colonie, die aus Holland zur Zeit als die Niederländer im Besitz des Landes waren, einwanderte. In Brasilien nämlich war es wo Menasseh ben Israel den Entschluß gefaßt hatte, sich zur Wiederherstellung seines Vermögens auf commerciellcn Wege uiederzulassen, da seine Glaubensgenoffen in Amsterdam ihn mit pecuniären Schwierigkeiten kampfen ließen. Wäre diese Idee zur Ausführung gekommen, so würde die Zulassung der Juden nicht unter Cromwell stattgesunden haben. Diese Colonie ist die älteste in Brasstlien, deren wir auch oben erwähnten. Als dieselbe, nachdem Brasilien unter Portugal kam, aufgehoben wurde, wandten sich die meisten Juden nach Surinam, einige auch nach Newyork, damals ebenfalls unter niederländischer Herrschaft. Diese jüdische Colonie bestand vollständig aus Sephardim. So sehen wir zwei getrennte Ströme jüdischer Auswanderung in den amerikantschen Conttnent eindringen — den des 17. Jahrhunderts bestehend allein aus Sephardim und den unserer Zeit beinahe allein aus Aschkenasim. ES wunderten natürlich Juden beider Abstammung während des 18. Jahrhunderts ein, aber ihre Anzahl war so klein, daß ihre Niederlassung kaum bemerkt wurde. Die jüdische Colonie in Surinam hat seitdem immer prosperiet, und sie sind bis auf den heutigen Tag in einer immer mehr blühenden Verfassung. Sie theileu die Wechselfälle ihrer Landsleute, mit welchen sie in socialer, bürgerlicher, politischer, sittlicher und intellektnellcr Beziehung vollkommen harmonistren. Sie sind in jeder Beziehung ihren Mitbürgern gleichgestellt, da die holländische Versassnng keinen religiösen Unterschied anerkennt. Neuere Nachrichten beschreiben diese unsere Glaubensgenossen indessen als in hoher Beziehung die religiöse Gewissenhaftigkeit ihrer Väter hintansetzend begriffen, und das Judenthum dort in Verfall.

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