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Jeschurun · 1862-05-01 · Heft 8 (Mai 1862) · p. 408

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Journal
Jeschurun
Volume
8 (1861-1862)
Issue
Heft 8 (Mai 1862)
Article
Deutschland : Karlsruhe, 25. April [Nachricht]
Date
1862-05-01
Page
408 (sequence 3)
Language
German
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408 Einwirkung mehr üben auf bie politischen und materiellen Rechte des Bürgcrthums. — Hausser freut sich der siegreichen Macht der Wahrheit; in der Frage, für die sich 1831 nur zwei Stimmen erhoben, werden sich heute vielleicht nur zwei dagegen erheben; es kann keiu eclatanteres Beispiel geben dafür, daß der Fortschritt keine bloße Theorie ist. Hausser bekämpft die Einwände von Fe'derer, insbesondere den Vorwurf mangelnden Bürgersinnes. Durch seinen religiösen Mittelpunkt, durch häusliche Zucht und Sitte bietet das Judenthum das einzige Schauspiel, durch Jahrtausende eine Nation zu bleiben, ohne doch ein Staat zu sein. Das Jahr 1813 hat gezeigt, wie der Jude dankt für die Gesetzgebung, die ihm ein Vaterland gicbt. Redner achtet und ehrt das Volk; aber Massen- und Sturm Petitionen imponiren ihm nicht; auch nicht die bekannten ltthographirten Petitionen. Wohl könnte eine Volksabstimmung ein dem Entwürfe ungünstiges Ergcbniß liefern; das aber ist gerade der Vorzug der konstitutionellen Monarchie vor der Demokratie, daß nicht die Massen, sondern die Erwählten des Volkes entscheiden. Die Geschichte lehrt, wie schlecht der Freiheit gedient ist, wenn Leidenschaft, Vorurtheil und trockenes Interesse über sie entscheiden. Insbesondere gegen den Vorwurf des Wuchers sich wendend, zieht Häusscr eine Parallele zwischen dem kleinen Schacherjuden und dem großen Borsenspicler; über jenen alterirt sich der christliche Staat in sittlicher Entrüstung; diesen schmückt er wohl gar mit dem Erlöserorden. Freisinn auf Kosten alter historischer Vorrechte ist leicht zu üben; man steckt da zn dem materiellen Profit auch noch die leicht verdiente Prämie des Freisinns; der ächte Freisinn muß auch Opfer bringen können, wenn auch nur zunächst des Vorurthetls und der eigenen vorgefaßten Meinung. Diesen Akt des Freisinns wird heute die ba-- dische Kammer bethätigen. Es folgt nun die Specialdcbatte ohne weitgretfende Bedeutung. Die Annahme des Gesetzes erfolgte sodann einstimmig. Köln, 5. April: ״Heute wurde erzählt, es sei gestern in oder bet einer am Alten Ufer bclegenen Fabrik die mit Stich- und Schnittwunden bedeckte Leiche eines 16- bis 17jährigcn Mädchens gesnuden worden. An dieser Schauermär ist auch nicht ein wahres Wort. Sie wurde aber, vielleicht in Folge einer seit mehreren Wochen hier in der ntedern Volksschicht herrschenden Aufregung der Gemüther, nichts desto weniger willig geglaubt und weiterverbreitet. Die fragliche Aufregung ist hervorgcrufen durch wiederholte seltsame Erzählungen von verschivnndenen, geraubten oder ermordeten Kindern. Vor etwa vierzehn Tagen waren deren schon 15 (in einem andern Stadtviertel sagte man 11) ihren trostlosen Eltern abhanden gekommen. Sie waren, wie verschiedene ״Mütter aus dem Volke"

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