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Jeschurun · 1862-05-01 · Heft 8 (Mai 1862) · p. 407

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Journal
Jeschurun
Volume
8 (1861-1862)
Issue
Heft 8 (Mai 1862)
Article
Deutschland : Karlsruhe, 25. April [Nachricht]
Date
1862-05-01
Page
407 (sequence 2)
Language
German
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Landtage von 1831. Heute ist der Grund dcö Vorurthells nicht mehr die Religion, sondern die Nationalität; die Eigcnthümlichkeit der Sprache ist es namentlich noch äußerlich, welche eine scharfe Schranke bildet. Redner bekämpft die nnglückscligcn Worte Wucher und Noth- Handel, mit denen man ganz falsche Begriffe verbindet. A» die Kainwer tritt heute die Pflicht heran, zu handeln mit Thäten, nicht mit Worten. Kirsner ist für den Entwurf und hofft, die Debatte werde selbst noch Fcdcrcr bekehren. Ministerial-Präsidcnt Lame!) dankt dem Hanse und dem Berichterstatter für die Aufnahme dcö Berichts. Fcdcrer hat der Stimmung Ausdruck gegeben, die sich einem Thcile der Wähler gegenüber belästigt fühlt; die Negierung weiß selbst, daß ein Gerücht in den untern Volkskiassen cnrsirt, als sei der Ent- Wurf durch freundliche Gaben reicher Söhne Israels an den Minkstcr und die Kammer zu Stande gekommen. ES beweist dies nur, daß gar Mancher cmnncipirt ist, der cs nicht verdiente, wenn dabei die sittliche Denkart gewogen würde. Nach einer Wicdcrlegung der Schcingründe der li-hographirtcn Petitionen gelangt der Redner zu der Ausführung, daß Karl Friedrichs Gesetzgebung, die politische Gleichstellung von 1849, das neue Gesetz über NicdcrlassungS- und Gcwerbcfrcihcit von viel bedeutenderer Tragweite waren, als das jetzige fälschlich sogcnanntcEmancipatiouSgesctz. Längst wäre des Gcsetz votirt worden, hätte man nicht das Vorurthcil gefürchtet. Auf die nnmcßbare sittliche lmb intellektuelle Annäherung an das Christenthum kann cs unmöglich ankvmmcn, inan müßte sonst consequmt eine allgemeine Prüfungscommission ernennen. Ein Vorurthcil besteht in der That noch, aber nicht ein religiöses, sondern der Nationalität. Lamcy weist hinüber nach Amerika auf die Znrücksctznng der deutschen Nationalität. Er beweist daran, daß man, bei der Hincigung zu solchen Vorurtheilen, diese immer auch gegen sich selbst einräumen muß. J>r der Emaneipation der Juden liegt zugleich eine Emancipation der Christen. Dieselbe barbarische Tyrannei, die sie in früheren Jahrhunderten gegen dicJuden übten, fiel zurück auf ihr eigenes Haupt. Mit der vollkommenen Gleichstellung, der Durchführung des Principö allgemeiner Rechtsgleichheit, stellt sich zugleich die Gcsammtbcvölkcrung sicher gegen jede willkürliche Unterdrückung einzelner Klassen. — Hoffmeister stimmt im Wesentlichen dem Entwürfe bei. — Knfel spricht nicht als Jude, sondern als Vertreter dcö Landes; er freut sich der endlichen Erfüllung einer unabweisbaren Rcchtspflicht, eines Begehrens, gegründet auf das unzweifelhafteste Recht, nicht auf ein Gnadengesuch. Die meisten europäischen Staaten sind mit der Erfüllung schon vorangcgangcn; die badische Kamincr, die sonst auf dem Wege des Rechtes voranzugchcn pflegte, wird heute freudig und nahezu cinmüthig folgen; das Glaubcnöbckcmüniß wird künftig keine

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