Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1861-1862)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1862)
- Article
- Die jüdische Realschule in ihren genetischen und cultur-historischen Beziehungen zum Judenthum und zur Gegenwart
- Date
- 1862-05-01
- Page
- 399 (sequence 31)
- Language
- German
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39S Von Di\ Mendel Hirsch'. Resumiren wir, so versuchten wir, um zu einer Definition deZ Begriffes der jüdischen Realschule zu gelangen, zunächst die culturhistorische Stellung zu ermitteln, die die Realschule ihrem Wesen nach -in der Reihe der culturhistorischen Entwickelungen einnimmt.' Es ergab sich uns, daß die Grnndprincipien, denen sie ihren Ursprung verdankt Popularisirung des Wissens und geistige Emancipation der Mafien, sich als Durchbruch jüdischer Wahrheiten manifestiren. Wir untersuchten sodann, was durch das Prädikat ״jüdisch" dem Begriffe der Realschule hinzugefügt werde und gelangten, nach der negativen Beantwortung dieser Frage zur positiven übergehend, nach einer Charakterisirung der einander auch auf dem Gebiete des Judenthums gegenüberstehenden Parteien, Zu dem mit unabweisbarer Evidenz sich herausstellenden überraschenden Resultate, daß nur auf dem Standpunkt des schmähend so genannten o r t h oderen Judenthums eine jüdische Realschule ein mit innerer logischer Nothwendigkeit sich geltend machendes Postulat, mit andern Worten, daß auf anderen Standpunkten wohl Realschulen für Juden oder eines bestimmten confessionellen Charakters entkleidete Realschulen ins Leben gerufen werden können, daß jedoch jüdische Realschulen nur das ״orthodoxe" und zwar, im Hinblick auf eine in einseitiger Beschränkung׳ befangene, gleichfalls orthodox genannte Richtung, nur das ״orthodoreste" Judenthum schaffen könne, auf jedem anderen Standpunkte aber der Begriff einer jüdischen Realschule mit einem unheilbaren innern Widerspruche behaftet sei. Es stellte sich sodann heraus, daß, nachdem in erster Linie die Schule eine in jeder Beziehung tüchtige, in allen Fächern mit den gehobensten Anstalten den Vergleich nicht scheuende sein müsse, neben dem speeiell hebräischen Unterricht auch der Bildung der Weltanschauung, der Gewöhnung zur Beurtheilung aller Erscheiuungen und Verhältnisse nach dem Maßstabe der Gerechtigkeit und der Humanität, wie wir ihn in der h. Schrift gehandhabt sehen, die speciellste Sorgfalt zuzuwenden sei; daß diese Thätigkert ihrer Form nach als eine nicht blos lehrende und mittheilende, sondern wesentlich übende, gewöhnende und erziehende und noch dazu lediglich in der Schule zu vollziehende, auf eine wesentliche Benutzung der gesummten Unterrichtszeit, daß sie ihrem innern Gehalte nach als eine alle Gebiete umsassende, aus eine specielle Unterstützung der meisten Fächer rechnen müsse, was wir sodann , an den einzelnen Fächern, theils ausführlicher wie hinsichtlich der Einführung in das Verständniß der Propheten, hinsichtlich