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Jeschurun · 1862-05-01 · Heft 8 (Mai 1862) · p. 387

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1861-1862)
Issue
Heft 8 (Mai 1862)
Article
Die jüdische Realschule in ihren genetischen und cultur-historischen Beziehungen zum Judenthum und zur Gegenwart
Date
1862-05-01
Page
387 (sequence 19)
Language
German
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Von vr. Mendel Hirsch. 387 ׳ so wird man unsere Behauptung nicht ohne alle innere Begründung finden: die Erreichung einer alle Verhältnisse umfassen-, den, specifisch jüdisch durchläuterten und specifisch jü- Bezeichnungen zu beehren pflegen. Den Nachweis, daß dies nicht unthunlich sei, halten wir für überflüssig, denn wohl Niemand wird es bestreiten wollen. Nachdem es sich nun gezeigt, wie das lebendige Gotteswort der Anwendung dieser, das starre Festhalten am todten Buchstaben der von Menscheu beliebtenSatzungen ausdrücken sollenden Bezeichnung sich seinem innersten Wesen nach widersetzt, wäre die Aufmerksamkeit wohl aus das äußerst spinöse Problem zu lenken, ob deßhalb, weil das Judenthum, das von Gott offenbarte, einer Reform unfähig sei, auch Religionen, der Ausdruck menschlichen Bewußtseins und menschlicher Anschauungen, vollkommen wahr und frei von Jrrthümern sein müssen? Wenn nun diese gar sich im offenen Gegensatze zum Judenthume befänden? Insofern andere Lehren mit für alle Menschen gültigen Wahrheiten der uns als Gottes-Wort dastehenden Thora (-־ denn die Verpflichtungskraft eines Ge- oder Verbotes kann wohl auf einen bestimmten Kreis von Menschen beschränkt sein, nicht aber die Wahr- Hastigkeit einer Wahrheit —) sich im Widerspruch befinden: manifestiren sie sich doch für den Juden 60 Ixso als JrrLhümer. Dem ״orthodoxen" Juden erscheint z. B. der ״aufgeklärte" Jude, der den Sabbath entweiht, im Jrrthum befangen, der ״fortgeschrittene" Jude, der die Speisegesetze übertritt, im Rückschritt begriffen. Warum? Weil seine Aufklärung darin öesteht, der Thorah Wort, das ihm bisher als Wort Gottes gegolten, jetzt nicht mehr als solches zu betrachten, und weil er bei seinem Fortschreiten dieser selbigen Thorah den Rücken kehrt, sich also mit jedem Schritte weiter von ihr entfernt. Worin besteht jedoch die Aufklärung des °) Christen? Darin, daß er sich der Wahrheit der Thorah, in ihrer Lehre von der ungetrübten'Einheit Gottes nähert. Beide wenden sich von einer Lehre ab, Beide wenden sich einer andern zu. Wie erscheinen vom Standpunkte des ״orthodoxen" Judenthums die Bewegungen:Beider? Die ״Aufklärung" zeigte als Jrrthum Jenem eine Wahrheit, Diesem einen Jrrthum; die ״Ansklärung" lehrte als Wahrheit Jenem einen Jrrthum, Diesem eine Wahrheit. Die Aufklärung des Juden erschien als Wahn, insofern sie mit den Wahr- 0) — wahrhaft aufgeklärten —; auf die Extreme, die mit dem Jrrthum auch die Wahrheit, die auch den Glauben an Gott, an eine sittliche Weltordnung und an die sittliche Freiheit des Menschen aufgeben, wird dann auch einzugehen sein. Für den Lehrer, der in Wahrheit auf dem Standpunkte des ״orthodoxen" Judenthums steht, bietet eine lichtvolle Behändlung dieser Fragen ungleich weniger Schwierigkeit als für jeden Andern. Er vermag stets auf einen sichern Maßstab hinzuweisen, an dem ein jeder Satz zu prüfen ist. —

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