Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1861-1862)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1862)
- Article
- Die jüdische Realschule in ihren genetischen und cultur-historischen Beziehungen zum Judenthum und zur Gegenwart
- Date
- 1862-05-01
- Page
- 370 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2932754-2932905-2932914-2946889--07410-2946931- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
370 Die jüdische Realschule rc. Ein Wort der Verständigung. der Kritik zu ziehen, es vielmehr in die Dunkelheit verkommener Bestrebuugen zu verweisen suchen. Man rangirt ein unbequemes Prineip vor den Augen der Unkundigen einfach in eine jener Kategorien ein über die die Geschichte längst den Stab gebrochen hat, so ist es damit außerhalb des Gesetzes erklärt, eine jede weitere Beurtheilung und Untersuchung überflüssig, es ist in jenes Verdammungsurtheil schon von selbst inbegriffen. Je glücklicher solche literarische Septembriseurs in ihrem Bemühen "gewesen, um so gebieterischer macht sich jene Noth- Wendigkeit geltend. Bei dem herannahenden Ablaufe des ersten Decenniums des Bestehens unserer Anstalt, dürfte es darum nicht unangemessen erscheinen, ihr Grundprincip wiederum hervorzukehren — bei keinem anderen treffen die angedeuteten Bedingungen in so seltner Vollständigkeit zusammen. Was ist das Wesen einer jüdischen Realschule? Erörtern wir zunächst den Begriff einer Realschule und untersuchen alsdann, in welcher Weise er durch das Prädikat ״jüdisch" modificirt, resp. amplificirt wird. Die Realschule ist nur ein Glied, und keines der unwichtigsten, in jener Kette von Gestaltungen, die die erste Hälfte des neunzehnten so charakteristisch von der letzten des achtzehnten Jahr- Hunderts unterscheiden. Erheben wir uns einen Augenblick auf jene Höhe, von der aus die culturgeschichtliche Entwickelung der Jahr- Hunderte dem Blick des denkenden Forschers klar liegt, so erscheint die Geistesarbeit der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts wesent lich unter dem Begriffe der V ertiefun gewährend die des unsrigen sich zumeist unter dem der Verallgemeinerung*) darstellt. Spekulative Philosophie heißt das eine Gebiet, Entwickelung und Anwendung der Natur- Wissenschaft das Andere. Beide Richtungen, riesig in ihrem Beginnen, unabsehbar in ihren Resultaten, von Unkundigen so häufig für Gegensätze gehalten, bedingen sich vielmehr gegenseitig, stehen im innigsten *) Es ist hier nicht der Ort, auf eine tiefere Begründung dieses Satzes durch Beispiele aus der praktischen Philosophie, aus den der Legislatur (diesem codificirtenjeweiligenRechtsbewußtsein)zuGrunde liegenden Principien,durch die allmälig, wenn auch langsam fortschreitende Ausdehnung des Mensch- : Begriffs und seiner praktischen Consequenzen auf immer größere Minoritä- \ täten u. s. מז; mehr als nur andeutungsweise einzugehen.