Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1861-1862)
- Issue
- Heft 6 (März 1862)
- Article
- Adar
- Date
- 1862-03-01
- Page
- 275 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Pädagogisch« Plaudereien. 273 Erziehen geübt — darbieten; sondern weil schon die durch Gehörsam und Folgsamkeit des Zöglings bedingte Ausgabe der Erziehung überhaupt in aller erster Linie durch die geistige uud sittliche Ueberlrgenheit, somit durch die geistige und sittliche, möglichste Vollkommeuheit des Erziehers bedingt sind. Vater sein, Lehrer sein, heißt vor allen Dingen selbst an Thaten und Sitten untadelig sein. Das Kind, der Zögling, deren sittliches Urtheil— und Kinder haben ein scharses, unbestechliches sittliches Urtheil — über Aeußerung, Handluugen, Benehmen ihrer Eltern oder Lehrer im eigenen Herzen den Stab zu brechen veranlaßt werden, werden eben damit veranlaßt Eltern und Lehrer fortan weniger gehorsam zu sein. Denn mit der sittlichen Achtung vor der Persönlichkeit des Erziehers steigt und fällt der Gehorsam und die Fügsamkeit des Zöglings. Und wahrlich, wüßten wir vom Mardochat auch nichts anders, als daß Esther noch als Königin seinen Vorschriften und Lehren folgte ganz so wie zur Zeit, da sie nvch tn erziehender Pflege bet ihm war, diese einzige Thatsache würde uns schon eine Vorstellung von der geistigen und sittlichen Große ihres Erziehers zu geben geeignet gewesen, und wir begreifen dies um so mehr, wenn uns die Ueberlieferung auch ausdrücklich erzählt, Mardochat sei יורע בשבעים לשונות und מוכתר בנימוסו gewefen, Mardochat habe geistige und sittliche Größe in möglichster Vvllendung in sich vereinigt, habe siebzig Sprachen verstanden, und habe den Kranz sittlicher Größe in der Erfüllung des göttlichen Gesetzes errungen.