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Jeschurun · 1862-02-01 · Heft 5 (Februar 1862) · p. 248

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1861-1862)
Issue
Heft 5 (Februar 1862)
Article
Jüdisches Leben auf dem Lande
Date
1862-02-01
Page
248 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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248 Jüdisches Leben auf dem Lande. Landbewohner auf einem, seiner Thora minder gefährlichem, Wege seinen Emancipattonsgelüsten. Lebt auch in seinem Herzen eine noch Heiligere Scheu gegen die Uebertrctung seines Stnatvermächtnisses; hält er auch noch auf seinen religiösen Menschen in sich; so leidet indeß sein allgemein menschlicher, ethischer Theil in ihm und ist hier das Opfer seiner Emancipations-Jdeen. Will er auch mit dem Christen nicht speisen, so will er doch jedenfalls dazu invittrt sein; will der Städter nicht belächelt werden ob seiner prüden Lebensweise, so glaubt der Landbewohner sich jedenfalls entschuldigen zu müssen. Sucht der Städter dem Christen durch mannhaftes und ehreuhaftcs Auftreten zu imponiren, so ist der Landbewohner ängstlich besorgt, den christlichen Brüder nicht zu beleidigen, wenn er es selbst verdient, ihm seinerseits Beleidigungen gern zu vergeben, seinen Spott und Hohn ihm zu verzeihen, seine Unterwürfigkeit zu zeigen. Gtebt er doch Alles darum, zu christlichen Clubbs eingeladcn zu werden, christliche Bälle mitzumachen, selbst wenn diese wiederholt und absichtlich auf einen Freitag-Abend fallen; verzeiht er doch jede Unbill gern, sobald nur seinem Geschäfte kein Schaden erwächst. Wir haben Erfahrungen etngesammelt und könnten treffende Factas als Beweise ausführen, doch möge uns nur folgende Anekdote als Argumentation gestattet fein. Eine Wittwe wünschte ihren Sohn, der sich einem Wissenschaftltchen Berufe widmen wollte, von dem Oltsprediger in alten Sprachen unterrichten zu lassen, und bat diesen darum. Der Angegangene in dem Glauben, die Bittstellerin gehöre zu seiner Heerde, war bereit ihren Wunsch zu erfüllen. Als er aber hört, daß sein Schüler ein Jude ist, vermag ihn nichts mehr zur Ausführung seines Versprechens zu bewegen. Don diesem Vorfälle hatte die Zeitung für Norddeutschland, welche im Orte viel gelesen wird, im vorwurfsvollen Tone berichtet, und viel Sensation erregt. Die Wittwe besorgt, daß man sie für die Einsenderin halte und daher ihrem Geschäfte Nachtheil erwachse, hat nun nichts Eiligeres zu thun, als durch ein Inserat zu erklären, wie gänzlich unschuldig sie an der Publikation des Vorfalls sei.. Wie soll nun der Christ, wo er solche Gesinnungsweise erblickt,

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