Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1861-1862)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1862)
- Article
- Jüdisches Leben auf dem Lande
- Date
- 1862-02-01
- Page
- 247 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdisches Leben auf dem Lande. 247 Rast. Wie viel aber für diese noch zu thun übrig ist, wieviel Schäden erkannt und noch nicht ausgebessert, wieviel Forschen und Beobachtendem Augen des Juden noch übrig bleibt; wir wissen es wahrlich nur zu gut, aber beachten es leider nicht genug. Wir wollen gar nicht von denen reden, welche vermöge ihrer Lebensstellung andern Zielen nachzujagen haben, wir wollen selbst die, welchen die hohe Ausgabe jenes Wirkens zugefallen, nicht tadeln, da ein Mensch nur Menschliches zu leisten im Stande ist und sein Wirkungskreis sich, streng genouimen, nur auf seine Umgebung erstrecken kann, — wohl aber möchten wir unsere Leser bitten, uns einige Augenblicke zu folgen, um durch die Gläser unsere schwachen aber wahren Beobachtung deutlicher zu sehen, und darnach besser nrtheileu und verbessern zu können. Haben wir auch mit unsern Perceptionen eigentlich nichts anders gesagt, als was Vielen bekannt sein möchte, so konnte es doch in unserer Absicht liegen, die Erkenntntß Einzelner auch für eine größere Zahl ausznbeuten, und stellen wir doch unsere Beobachtungenaufdem Lande an, dessen Wesen dem Städter, und genau genommen, selbst dem Dorfbewohner fremd sein möchte. Wird es doch Letzterem am wenigsten zu Thcil, sein Leben in einem Spiegel zu sehen; und hat der Städter oft Gelegenheit durch Kanzel und Schriften feine Mängel zu entdecken. Was uns aber hauptsächlich das Interesse der Schilderung des jüdischen Landlebens gab, ist die Meinung, daß man ein Bild des jüdischen Lebens überhaupt nur nach der Mehrzahl haben könne und mindestens dasselbe von verschiedenen Theileu des Ganzen angesertigt sein müsse. Werfen wir zunächst in das allgemeine sociale Leben des Inden auf dem Lande einige prüfende Blicke, auf seine Weise in Umgang mit seinem christlichen Bruder; auf seine Denkungsart diesem gegenüber; auf seine Bestrebungen in diesem engeren Sinne. Wir werden hierbei gleich bedeutende Unterschiede, dem Städter gegenüber, erblicken. Während letztere, größten Theils durch Hintansetzung seines Judenthums, durch häufiges Frequeutiren des table d’höte, durch Uebertretung der Sabbathverbote und durch einen reichlichen, veruunftlosen, gewissen Liberalismus in seiner religiösen Denkungsart sich dem Christen zu nähern strebt, um durch diese äußern Gleichheilen mit ihm seinen äußern Inden vergessen zu machen, folgt der