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Jeschurun · 1862-01-01 · Heft 4 (Januar 1862) · p. 204

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1861-1862)
Issue
Heft 4 (Januar 1862)
Article
[Rezension]
Date
1862-01-01
Page
204 (sequence 2)
Language
German
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204 Bücherschau. In dem Kern der Sache befliß er sich einer einfachen, .möglichst gemeinverständlichen Sprache und einer Beschränkung auf das Nothwendigste, um durch eine Ueberschreitung weder der Ueberfichtlichkcit , Eintrag zu thun, nach einer, in religiösen Dingen gefährlichen Süffisance Vorschub zu leisten; in dem novellistischen Rahmen, den er um jenen zog, wollte er dem jünger!, Geschlechte einige nach dem Leben gezeichnete Bilder zur Anregung des Nachdenkens und beziehungsweise zur Nachahmung Vorhalten." Hat der Vers, somit sein Werk nach Wese» und Form im Allgemeinen charakterisirt, so fühlt er sich den beurtheilenden Männern von Fach gegenüber, zum Zwecke der Verständigung, zu einigen speciellern Notizen veranlaßt. Die gesetzlichen und novellistischen Theile durchdringen sich und bilden zusammen ein Ganzes. Zn dem gesetzlichen Theile wollte Vers, den Frauen keineswegs einen Leitfaden zur casuiftischen Selbstentscheidung, sondern nur einen Führer zur Orientirung in ihrem Pflichtenkreise bieten, damit sie einerseits in Dem, was sie selbst zu wissen unbedingt nvthig und andrerseits in Jenem, was sie als Gegenstand einer שאלה zu betrachten haben, unterrichtet werden. Wenn der Vers, einen neuen Weg der Belehrung auf diesem Gebiet ctngeschlagen, wenn er die Novelle als Vermittlerin zur Einführung des Lehrobjekts in die betreffenden Kreise gewählt hat, so ist er dabei rein syMnatisch zu Werke gegangen. Die überhandnehmende Unwissenheiten!!- Indolenz in religiösen Dingen namentlich in unseren Fraucnkreiscn als eine ״zeitgemäße" Krankheitsererscheinung betrachtend, die gleichsam therapeutisch behandelt werden muß, glaubte er der Arzneimittellehre analog verfahren und die ״arzneiliche Basis", wiewohl sie kein Heroicum enthält, in einem geeigneten Vehikel darzureichen zu müssen. Der novellistische Theil entspricht nun freilich, vom kunsttheoretischen Standpunkte ans beurtheilt, nicht allen Anforderungen der Belletristik; aber der Verf. wollte auch keinen Roman für Leihbibliotheken schreiben; die Novelle soll, wie gesagt, der Basis als Vehtkel dienen, sie soll zunächst für die Hauptsache vorbereiten und mehr als das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden: sie soll auch die wesentlichen Momente des jüdischen Lebens nach verschiedenen Seiten hin zur Anschauung bringen.

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