Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1861-1862)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1862)
- Article
- Was hat eine gesetzestreue Minorität neologischen Wünschen gegenüber zu thun?
- Date
- 1862-01-01
- Page
- 191 (sequence 19)
- Language
- German
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mologischen Wünschen gegenüber zu thun? 191 Gemeindeglieder und Gemeinden beruhende, somit aus den Gemeinden und ihren Gliedern selbst hervorgehende Centralisation kann auch auf jüdisch religiösem Boden von hohem Heile sein und hat . sich vielerwärts — z. B. in der fast musterhaft zu nennenden, Jahrhunderte lang bestandenen, seit etwa Hundert Jahr erloschenen Organisation der mährischen Gemeinden zu Bezirksgemetnden und diese wieder zu einer Landesgemeinde — höchst heilsam bewiesen. Allein, das künstliche Schaffen größerer Synagogen-Verbände ist nur mögltch, wo bereits die natürliche Einheit im Geiste und in der Wahrheit vorhanden ist, wo das religiöse Grundgesetz über Allen als der allmächtige Vereintgungspuukt in unangetasteter Anerkennung steht. Allein, wo über die allerersteu Grundhrtncipien der religiösen Ueberzeugung und der religiösen Pflichten die Gemüther auseinander gehen — und es stehen doch in Wahrheit jüdische Orthodoxie und Neologie in weit tiefer einschneidendem Gegensatz zu einander als Katholizismus und Protestantismus — da ist jede künstlich zu schassende Einheit eine in Verkümmerung der heiligsten Rechte sich rächcnde Unnatur, da ist Decentralisirung die einzige Rettung der Ge- Wissensfreihcit, weil zur Centralisirung die allererste Vorbedingung, die Einheit der religiösen Grund-Ueberzengung fehlt. Mögen daher in der Pfalz und allerorts, wo ähnliche Bestrebungen versucht werden, die gesetzestrcuen Juden bei Zeiten wach sein, bei Zeiten für ihr Recht, ihre Gewissensfreiheit, ihre religiöse Ueberzeugungen, ihre und ihre Kinder religiöse Zukunft einstehen, damit sich nicht auch an ihnen, das verhängntßvolle Wort räche: trop tard! —