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Jeschurun · 1861-11-01 · Heft 2 (November 1861) · p. 99

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1861-1862)
Issue
Heft 2 (November 1861)
Article
Italien : Venedig [Nachricht]
Date
1861-11-01
Page
99 (sequence 2)
Language
German
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99 ״Romanin, Sohn einer gebildeten, aber mit Glücksgütern nur karg bedachten israelitischen Familie, war als zwölfjähriger Knabe s bereits verwaist; nichts desto weniger begab er sich sofort von Triest nach Venedig und zwar mit drei jüngern Geschwistern, denen er in dem Alter, in welchem Andere noch Leitung bedürfen, bereits ein treuer, fast väterlicher Führer war. ״Sem mit seltener Willmsfestigkeit gepaarter frühreifer Geist setzte ihn schon damals in den Stand, Andere zu unterrichten und auf diesem Wege für seinen und der Setnigen Unterhalt zu sorgen. Dem Studium fremder Sprachen gab er sich mit besonderem Eifer hin; den in denselben erlangten Kenntnissen verdankte er die Anstellung als beeideter Dolmetsch für die deutsche Sprache und das Amt eines Bibliothekars am venetiantschen Athenäum, dem er lange Vorstand und das er erst anderweitiger gehäufter Beschäftigung halber niederlegte. ״Wenn Romantn seinen zahlreichen Schülern nicht nur als > Lehrer, sondern auch als Freund lieb und werth war, so sollten ihm seine historischen Studien bald in weiteren Kreisen eine wohlverdiente Berühmtheit bringen. Den Beginn seiner literarischen Laufbahn bezeichnet eine sehr genaue!Übersetzung der umfangreichen ״Geschichte . des osmanischen Reiches" von Hammer, der bald daraus eine Uebersetzung der ״Geschichte der Asiassineu" von demselben Verfasser nachsolgte. Einige Jahre später machte seine ״Storia dei populi europei della decadenza dell’ impero romano“ verdientes Aufsehen; seinen eigentlichen literarischen Ruhm verdankt er jedoch der ״Storia documentata di Venezia“, die zwar noch nicht gänzlich im Drucke erschienen, aber glücklicher Weise im Mannscripte erschienen ist ״Das erstgenannte Werk, die ״Ltoria dei popoli europei etc.“, umfaßt eine große Uebergangsepoche zwischen einer dem Ruin ver- . sallenen und einer neuen, aus den Ruinen hervorgehenden Welt. Mit der Große des Themas und der Tüchtigkeit, mit der der Verfasser es zu bewältigen wußte, steht seine Bescheidenheit in schönem Einklang. Romanin hatte die umfangreiche Arbeit den Frauen Jtaliens gewidmet und ihnen zugerufen: ״Nicht den Gelehrten, sondern Euch weihe ich dieses Werk, und es wird mein Stolz und mein Lohn sein, wenn Ihr Euch den ernsten und doch nicht unliebenswürdigen historischen Studien zuwendet." ״Eine Aufgabe höherer Art hatte sich Romanin mit der ״Storia documentata“ gestellt. Er wollte alle irrigen Auffassungen und alle nicht streng historisch wahren Blätter der venetiantschen Geschichte berichtigen. Zu diesem Behuse durchforschte er mit bewunderungöwerther Unermüdlichkeit Archive und namentlich die Sammlungen diplomatischer Correspondenzen der ehemaligen venetiantschen Repn-

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