Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1861-1862)
- Issue
- Heft 2 (November 1861)
- Article
- Die jüdische Wegzehrung
- Date
- 1861-11-01
- Page
- 70 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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70 Die jüdische Wegzehrungdir nicht schaden und ein Mond dir leuchten in der Nacht. Gott wird vor allem Uebel dich hüten, hüten deine Seele, Gott hüten deinen Ausgang und deinen Eingang von jetzt-in Ewigkeit!" 1ב׳א׳י׳ בורא פרי הנפ, Gesegnet sei Gott, der uns den Wein des fröhlichen Muthes in unseres Lebens Kelch kredenzt! Allein es gehört Kraft und immer frische Begeisterung zu solchem jüdischen Muthe, und mehr Kraft und stetere Erfrischung heute als vielleicht je. So lange es nur ein Heil des Zieles und einen Weg zu diesem Ziele für Israel gab, wie fern und hoch auch dies Ziel, wie steil und dornicht auch der Weg, die Gemeinsamkeit der Wanderung selbst stählte den Muth, die Gemeinsamkeit der Gefahr erfrischte die Kraft, es — Gott verzeih uns wenn wir irren — es ist leichter mit Tausenden zu sterben, als vereinsamt zu leben! Die fortgesetzten Nadelstiche, die der ״fromme" Jude heutigen Tags von seinen eigenen Brüdern zu erdulden hat, ja, die Gleichgültigkeit, Gedankenlosigkeit, Muthlostgkeit oft der eigenen Genosse» können sich oft zu einer so unerträglichen Höhe steigern, dass es leichter scheinen kann mit Chananja, Mischael und Asarja in den Gluthofen, oder mit Daniel in die Löwengrube heitern Muthes zu springen, als fortwährend in dieser mit Widerwärtigkeiten und träger Stickluft geschwängerten Atmospäre zu athmen und jenen heitern Muth zu bewahren, der zur treuen, rüstigen Pflichterfüllung so unerläßlich ist. Da danken wir Gott, daß er בורא מיני בשמים, daß er zum Muth stärkende Weine, den erfrischenden, Geister zurückrufenden, würzigen Duft gesellt, und uns gelehrt, anseinen Sabbathen die ,נשמה יתרה ״den Seelen-Zuschuß", immer aufs neue zu gewinnen und die immer neu gewonnene selige Begeisterung mit hinüberznnehmen in das bewegte, prüfungsreiche und geistiger Kraft bedürftige Leben der Woche. Die Gemeinsamkeit, die die Zeit versagt, mit jedem Sabbath wird sie uns gewährt. Zeder Sabbath reißt uns aus unserer Vereinsamung und läßt uns uns zusammenfinden mit all den Geistern, die vor uns gottdienend auf Erden gewandelt, die nach uns gottdienend auf Erden wandeln werden, jeder Sabbath läßt die ganze trübe, schaale Gegenwart wie einen Punkt, wie einen Uebergangs- Moment in dem Gange der Zeiten verschwinden, jeder Sabbath lehrt uns auch unsere Welt als eine Gotteswelt begreifen, auch uns mit unfern Kräften im Dienste Gottes stehend, zum Dienste Gottes be-