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Jeschurun · 1861-10-01 · Heft 1 (Oktober 1861) · p. 54

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1861-1862)
Issue
Heft 1 (Oktober 1861)
Article
Donaufürstentümer : Bukarest [Nachricht]
Date
1861-10-01
Page
54 (sequence 3)
Language
German
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54 nicht würdig sei. Wir wollen hier keine Argumente für die Emancipation der Israeliten anführen, denn alle civtlisirten Staaten Enropas und Amerikas sind die sprechendsten Beweise für diese ohnehin natürliche Wahrheit; aber wir protestiren im Namen der Humaintat und des Wohles dieser Länder, welches uns sehr am Herzen liegt, gegen jenen mittelalterlichen Akt der Intoleranz und beschwören die liberale Nationalpresse, welche eompetenter ist als wir, ihre Stimme mit der unfern zu vereinigen; denn wahrlich, was wird das freie Europa dazu sagen und welche gefährliche Waffe wird damit in die Hände der Feinde dieser Länder und besonders der liberalen Nationalpartei gegeben!" — Rußland. Tilsit. Die hiesige Zeitung erzählt Folgendes: Aus dem in der Nähe preußischen Grenze belegenen russischen Städtchen Georgenbnrg (Aurburg) wird nachstehender edler Zug gemeldet: Es liegt daselbst ein russisches Infanterieregiment, Prinz Albert von Sachsen, in Garnison, bei welchem auch viele Juden stehen. Diese Letzten: wollten sich für die von ihren Glaubensgenossc» — von welchen das Städtchen fast ausschließlich bewohnt ist — erfahrene Gastfreundschaft . dadurch revanchiren, daß sie eine Thora schreiben ließen, und dieselbe der dortigen Synagoge widmeten. Die Feier der Uebergabe einer Thora an das Gotteshaus wird gewöhnlich auf solenne Weise durch einen festlichen Zug und eine großartige Mahlzeit der ganzen Gemeinde begangen; und um dieses zu ermöglichen, baten die jüdischen Soldaten des Regiments bei ihrem Obersten, Herrn von Sorokin, um einen zweitägigen Urlaub. Der Oberst ersuchte ste erst, die Sache um etwa zehn Tage auszusetzen, da er eine kleine Reise vorhatte, und sich gern dabet betheiligen möchte. , Nach seiner Rückkehr wurde dann die Feier arrangirt. An der Spitze des Zuges marschirte die Regimentsmusik, welche der brave Oberst unaufgefordert dazu commandtrt hatte; dann kam diescr Ehrenmann selbst, in seinen Armen die neue Thora tragend, und unter einem Baldachin (Chuppa) herschreitend, hieraus die jüdischen Soldaten, die übrige Gemeinde u. s. w. An der Synagoge angekommcn, übergab der Oberst die Thora an den Rabbiner, und verweilte noch während der ganzen religiösen Fcirr. Zu dem hierauf folgenden Festmahle hatte der Herr Oberst ein ansehnliches Geldgeschenk gespendet, und die Theilnchmer blieben lange beisammen, manches Glas auf das Wohl des erhabenen Kaisers Alexander, des menschenfreundlichen und gütigen Landesvaters, so wie des wackern Obersten leerend! — Bei solchen Vorgängen muß man sich in der That fragen: wo denn eigentlich wahrhafte Religiösität, Nächstenliebe, Humanität gesucht werden müssend!

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