Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1861-1862)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1861)
- Article
- Zwei Aktenstücke aus dem jüngsten jüdischen Gemeindeleben
- Date
- 1861-10-01
- Page
- 35 (sequence 2)
- Language
- German
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35 Zwei Aktenstücke aus dem jüngsten jüdischen Gemeindeleben. bieterisch befürwortet waren, zu hintertretben und versuchte durch Entfaltung zu Gebote stehender Demonstrationen die Gesetzestreuen einzuschüchtern. Diese jedoch blieben dem Diktate ihres Gewissens treu. Sie wichen der Gewalt, verharrten gleichwohl in achtunggebietendem passiven Widerstand, des Augenblicks harrend, der auch dem Rechte und der Wahrheit wieder die Freiheit unverkümmerter Verwirklichung bringen werde. In diesem Zwischenstadinm zuwartender Gegenüberstellung erließ der Vorstand den hier folgendeil Aufruf an die gesetzestreuen Ausgeschiedenen, in welchen! er unter Festsetzung einer siebentägigen Frist zur Verständigung, die Anwendung aller zuständigen Zwangsmittel zur gewaltsamen Zurückführung der um ihrer dem Gesetze zugewandten Gewisfenstreue Ausgeschiedenen in den unter dem illegativen Vorstandsregime stehenden Gemeindeverband audrohte. Und eben um dieser Drohung willen halten wir dieses Vorstandsschreiben der Veröffentlichung Werth. Diese Anwendung der Gewalt zur Ausübung des schreiendsten Gewissenszwangs gegen die dem väterlichen Gesetze treugebliebenen Brüder, ist das charakteristische Merkmal der Reformbestrebungen unserer Zeit, in welchem sich der verwerflichste rücksichtsloseste Fanatismus derselben offenbart. Es ist dies dieselbe fanatische Reform, die einst in Sachsen- Meiningen die Theilnahme am reformirten Gottesdienste durch Entziehung resp. Versagung von Gewerbsconcessioneir erzwang, die hier in Frankfurt den Talmudunterricht mit Polizeigewalt unterdrückte, Kiddusch Lewana und die Ausübung der Bruderliebe den Gemiluth-Chassadim-Bruderschaften mit Gesängnißstrasen untersagte, die im benachbarten Nassau den der Reform nicht zugeneigten Landgemeinden die Sifre Thoroth aus dem Hechal mit Gensdarmen wegnehcken oder wie in der Pfalz am Erew Nosch Haschanah die bereits zum Gebet versammelte Gemeinde aus dem Gotteshause lagen und ihnen ihr Gotteshaus gewaltsam sperren ließ, ja, es ist dies dieselbe fanatische Reform, die in Papa, unter dem Regime eines die Gesetzestreue als ״Romantik" verfolgenden Rabbinen, gesetzestreue Greise um ihrer ״romantischen" Gesetzestreue willen durch Heiducken prügeln ließ. Es sind dies Fakta, die einst die Geschichte der heutigen Re- 3»