Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 12 (September 1861)
- Article
- Deutschland : Prag [Nachricht]
- Date
- 1861-09-01
- Page
- 647 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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647 scharen, welche die Straßen durchzogen, gegen 10 Uhr Militär zur Aufrechterhaltung der Ordnung herbeigezogen und theils in der Josephstadt, theils auf dem Rtngplatze ausgestellt wurde. Der dann eintretenbe starke Regenguß machte übrigens mit einem Male dem ganzen Tumult ein Ende und trieb die wogende Menschenmenge zum Nachhausegehen. 2. August. Die ״Prager Zeitung" berichtet: ״Die bedauerlichen Scenen, welche am 31. in der Josephstadt vorfielen, haben sich am 1. August leider in noch erhöhtem Maßstabe wiederholt. Kaum war die Dämmerung angebrochen und die Stunde herangerückt, in welcher die Arbeiter und Taglöhner entlassen zu werden pflegen, so begannen die zügellosen Auftritte in den Straßen der Josephstadt von Neuem. Schaaren von Knaben und Lehrjnngen, denen sich jedoch diesmal noch ältere Arbeiter und Gesellen angeschlossen hatten, durchzogen mit tobendem Geschrei, Drohungen und Verwünschungen gegen die Juden ausstoßend, die Gassen der Josephstadt, tu welcher schnell alle Verkaufsgewölbe und Hausthore geschlossen wurden. Einzelne harmlos stehen bleibende Personen wurden verhöhnt und thatlich mißhandelt. Gegen 8 Uhr stieg die Aufregung der immer mehr anschwellenden Massen noch höher. Die Rotten begnügten sich nicht blos, den Leuten die Hüte einzutreiben, sondern fingen bereits an, die Fensterscheiben der ebenerdigen Wohnungen zn zerschlagen. Später wurden auch in die höher gelegenen Stockwerke Ziegel und Steine, mitunter von bedeutender Größe, geschleudert und Fensterscheiben sammt Rahmen zertrümmert. Besonders arg wüthete die rohe Menge auf dem kleinen Platze, der die Karpfengasse mit dem Tummelplätze verbindet. Hier wurden selbst Gewölbthüren durch schwere Steinwürfe zerschlagen und anderer ähnlicher Unfug verübt. Das Trottoir und Pflaster daselbst waren ganz mit Glasscherben bedeckt. Ebenso ging es in der Langengasse zu, wo die unteren Stockwerke der meisten Hauser ihre Fensterscheiben einbüßten. An dem Eckhause der Goldenen- und Karpfengasse sah man selbst die Fensterrahmen herausgerissen. Der Exccß dauerte so über eine Stunde. Die Pöbelrotten wurden zwar an einzelnen Orten durch die Polizei anseinanbergetrieben, sammelten sich jedoch gleich wieder, um zu neuen Excefsen zu schreiten. Erst gegen 10 Uhr war der ärgste Tumult zu Ende." Den ״Hamb. Nachrichten wird unterm 3. Aua. berichtet: ״Die Tumulte, deren Schauplatz in den letzten Tagen das ganze Judenviertel, die ״Josephstadt" gewesen ist, scheinen ihr Ende erreicht zu haben, verdienen aber dessenungeachtet nicht, übersehen zu werden. An und für sich ist cs schon ein genugsam böses Zeichen, wenn ein Nichts, ein abgeschmacktes, sofort widerlegtes Gerücht einen Theil