Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 12 (September 1861)
- Article
- Deutschland : Prag [Nachricht]
- Date
- 1861-09-01
- Page
- 646 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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646 worden war, von der Schteßwaffe Gebrauch zu machen. Es kamen einige leichte Verwundungen vor, und wurden einige Verhaftungen vorgenommen. Während der Nacht war das Militär, auch eine Abtheilung Husaren, in den Kasernen consignirt und starke Patrvuillen durchstreiften die Stadt. Heute Morgen durchzogen wieder einige Haufen die Judenstadt, ließen es aber bet dem Versuche, einen erneuerten Scandal herbeizuführen, bewenden. Währeüd der Mittagstunde wiederholten sich die gestrigen Auftritte bet einem Zugänge zum Judenvtertel, wobei die Polizeiwache mit Steinen beworfen wurde und von dem Säbel Gebrauch machen mußte, doch wurde nach Vornahme einiger Verhaftungen die Ruhe bald wieder hcrgestellt. Für den heutigen Abend sind, weil man eine Wiederholung der gestrigen Sccnen befürchtet, ernste Vorsichtsmaßregeln getroffen worden. Heute Nachmittag wurde eine Kundmachung unscrs Poltzetdirektors billmann, der gestern eine Probe seines bewährten Tactes abgelegt, an die Straßenecken geheftet, in welcher bekannt gegeben wird, daß der gestern vermeintlich arg beschädigte Arbeiter sich vollkommen gesund in seiner Wohnung befinde und seinen Geschahten wieder nachgehen könne. (D. A. Z ) 2. Angust. Ueber den Tumult am ersten Tage berichtet die amtliche ״Prager Zeitung": Die Josephstadt und die ihr zunächst liegenden Stadtthetle waren gestern (31. Juli) Abend der Schauplatz unruhiger Scenen. Ueber die Veranlassung hierzu erfahren wir, daß ein Hausknecht, Namens Karl Sigrot, in einem Streite, in den er nicht ohne sein Verschulden gcrteth, von einem in der Breitengasse der Josephstadt befindlichen israelitischen Höcklcr verletzt wurde. Nach ärztlichem Gutachten sind die Verletzungen, die er dabei erlitten, ganz ungefährlich, und kann sich auch Jedermann in Stgrot's Wohnung überzeugen, daß derselbe wieder seinen Geschäften nachgeht. Inzwischen hatte der erwähnte Streit einen Zusammenlaus vieler Menschen auf dem Altstädter Ringe vor dem Rathhause zur Folge, welche ungeachtet des Regens den Vorfall, der bald vielfach entstellt wiedererzählt wurde, besprachen. Der Menschenhaufe wurde in den spätern Abendstunden immer stärker, und als dann die Arbeiter und Lehrjungen denselben vermehrten, begaben sich dichte Scharen derselben in die Josephstadt, Drohungen und Verwünschungen gegen die Juden ausstoßcnd. Die Pvlizeiorgane bemühten sic^ die dichten Massen zum Auseinandergehen zu bewegen, was jedoch nur schwer und nach Verhaftung der ärgsten Tumultanten und der sich der Aufforderung zum Auscinandergehen Widersetzenden gelang. Der Tumult nahm indcß, da die falsche Nachricht, der Beschädigte sei an seinen Wunden gestorben oder sogleich zu Tode geschlagen worden, mit Hartnäckigkeit in Umlauf gesetzt wurde, in der Nacht immer mehr überhand, so daß bei der immerwährenden Zunahme der Manschen-