Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 11 (August 1861)
- Article
- Frankreich : Jüdische Zustände in Frankreich ... [Nachricht]
- Date
- 1861-08-01
- Page
- 604 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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604 men aller Confessionen 3000 Frs., den Armen seiner Geburtsstadt SOOO Frs. und dem Hospital zu Nantes 3000 Frs. Ein Protestant zu Metz, Herr Müller^ hat dem dortigen jiidischen Hospital 13,000 Frs., ein anderer unbekannt bleibender Wohlthäter ebenfalls 5000 Frs. vermacht. In Lyon zwingt der Marschal Casteüan jeden Sonntag zwei Regimenter dem katholischen Gottesdienst im Lager bcizuwvhnen; in einem dieser Regimenter befinden sich 200 Protestanten und 20 bis 25 Juden und würde gleichwohl jeder Offizier, Unteroffizier oder Soldat, der es versuchen würde sich dem Gottesdienst zu entziehen, strenge bestraft werden. Der Siecle protestirt energisch gegen diesen Gewissenszwang in einem Staate, in welchem die katholische Religion längst ansge- Hort hat Staatsreligion zu sein. Zustand des religiösen Unterrichts in Frankreich. Die religiöse Wissenschaft, einst mit so vieler Hingebung und mit sv glänzendem Erfolge von den Juden in Frankreich gepflegt, ist jetzt verlassen, gänzlich selbst von vielen, wenn nicht den meisten Rabbinen verlassen, die sich mit den administrativen und communalen Angelegenheiten beschäftigen, sich in Sachen!irischen, die sie nichts angehen, sich immer mehr und mehr bemühen, eine Art Weltlichs Macht über die Gemeinden auszuüben, ihre eigentliche Aufgabe des Unterrichts und der geistigen Belehrung aberdarüber vernachlässigen. Die Folgen dieses Faktums können nicht ausbleiben: indem sie die Pflege der theologischen Studien vernachlässigen, können diese Herren mit geringer Ausnahme zu keinem Renomme nach Außen und zu keinem wahrhaften Ansehen nach innen gelangen. Denn die Autorität des jüdischen Geistlichen liegt einzig und allein in dem Besitze der religiösen Wissenschaft. Alles Andere, sein Diplom, seine amtliche Bestallung, sein Ornat, seine priesterlichen Segnungen die er sehr freigebig austheilt, seine katholisch-geistlichen Manieren die er anzunehmen sucht und selbst die Tugenden seines privaten und öffentlichen Lebens geben ihm in Israel nicht jene Bedeutung und jenen mächtigen Einfluß auf die Gemüther, die nur dem Organe der Thora, den! Nachfolger Moses angehören, vom Sinai mit den Gesetztafeln im Arme kommend, die Stirn umstrahlt von dem ALglanz der göttlichen Lehre. Es giebr leider Rabbinen, die indem Paradiese des heiligen Amtes nichts als den Baum des Lebens erblicken, den Baum des Brodes, nicht aber den Baum der Erkenntniß und der Wissenschaft, die sie zu Gott erheben würde. Aufderuntern Stufe erblicken wir den religiösen Unterricht der Kinder. Allein wir haben viele Genieinden die nicht einmal eine Schule besitzen, und deren Kinder die Anstalten anderer Confessionen besuchen,