Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 11 (August 1861)
- Article
- Aus Hannover
- Date
- 1861-08-01
- Page
- 590 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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590 Aus Hannover. Einblick in dies großartigste Plaidoyer zu entziehen, durch das je ein Angeklagter versucht hat, sich vor den Augen der Welt zu rechtfertigen, es wird auf eine Predigt vom 87. Mai 1860 verwiesen, um die Treue und Gesinnungstüchtigkett des Herrn L. über jeden Zweifel zu stellen. In der Einleitung zu dieser Predigt wird dann weidlich über diejenigen hergezogen, die die Gemeinden aufrührerisch machen wollen, in widerlicher Weise beständig auf eine Berufstreue gepocht, die, wenn Wirklich geübt, doch zu Ucberschreitung aller Besugntsse, wie die Synagogenordnung und späterhin die Adresse sie involvirt, nicht das mindeste Recht giebt und zuletzt diejenigen, die zu behaupten wagen, daß es schreiendes Unrecht fei, wenn die Rabbinen im Namen der Gemeinden ohne deren Autorisation eine Adresse an den König zu richten, des Unverstandes und der elenden Gesinnungslosigkeit beschuldigt werden/ Auf die Gefahr hin, von Herrn Landsberg derselbe» Verbrechen für schuldig erkannt zu werden, nehmen wir keinen Anstand die Ueberzengung auszusprechen, daß keiner berechtigt ist, im Namen eines Anderen den geringsten Act zu üben, wenn er nicht von diesem besonders autorisirt ist und daß, wo die Autorisation fehle, selbst die vollste Ukbereinstimmung dieses Anderen wenn sie sich später äußert, nicht die Gewissenlosigkeit der ersten Handlung entschuldigt. Ein Meisterstück der Homiletik aber ist die Rede, die zur Feier des königlichen Geburtstages, der gerade mit dem n1paL/-Feste zusammenfiel, gehalten ist. Die arme Rede hatte, wie wir Herrn Landöberg gern glauben, keine Ahnung davon, daß sie den dornenvollen und rauhen Pfad der Ocffentlichkeit betreten würde und holpert daher aus dem ungewohnten rauhen Wege höchst bedenklich einher. Der Text ist zu einer Predigt, die von göttlichen und königlichen Gedanken voll sein soll, sehr eigcnthümlich gewählt (Ruth 1, 16 ותאמר רוח אל תפגעי בי לעזבך לשוב מאחריך, כי אל וגו׳) und scheint Herr Landsberg dies selbst recht wohl gefühlt zu haben, weßhalb er im Verlaufe der Predigt nur im Allgemeinen von Treue spricht, den Text selbst aber fast gar nicht berührt, trotz der langen הקרמה, durch die er uns ans den Text aufs höchste gespannt hat. Daß dieser Text so in die Mitte der Predigt tritt, daß ein solcher Text auf politische Verhältnisse angewandt, eine gewissermaßen komische Wirkung nicht verfehlt, daß aber jedenfalls bet einer Aus-