Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1861)
- Article
- Thamus
- Date
- 1861-07-01
- Page
- 512 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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512 Th»mur. eben durch diese Erinnerungen die Katastrophen, deren Gedächtnis! sie verewigen, das Heilesziel erreichen, für welches unser Herr und Meister sie in die Bahn unseres Geschickes gesäet; denn eS hat Gott, der Herr, Jeruschalaim-Zion in Trümmer geworfen, nur um cs zu dauernder, ewiger Freude wieder zu sammeln. Es wird nicht immer die nationale Trauer das jüdische Gemüth im Gegensatz zu dem heitern Sonnenglanz der lachenden Jahreszeit stimmen. Es kommt die Zeit, wo vor dem inner«, göttlichen Sonnenglanz, der in und über Zion leuchtet, alles Licht und aller Schein des äußern Glanzes erbleicht, wo uns ״nicht mehr die Sonne zum Lichte des Tages und der Mond nicht mehr zur Nacht- Helle leuchten wird", wo uns ״Gott zum ewigen Lichte sein wird, Gott zu unserm Glanze" — das wird die Zeit sein, wo ״die Fasttage des vierten, fünften, siebten und zehnten Monats dem Hause Juda zu Wonne und Freude und zu Festtagen geworden sein werden, daS wird eben die Zeit sein, in welcher diese Fasttage ihre Sendung an uns vollbracht. Diese Zeit wird aber nicht durch Abrogirung dieser Fastzeiten oder durch eine stillschweigende Nichtbeachtung derselben erreicht. Sie wird dadurch um kein Haarbreit näher, vielmehr nur um so mehr in die Ferne gerückt, je mehr wir in uns den Gemcinsinn und daS jüdische Nationalbewußtsein, welches nichts anders ist als das Bewußtsein unserer gemeinsamen Aufgabe und das lebendige Interesse für deren Erfüllung, bei uns einschlafen lassen, und darum, wie man spricht, gar nicht mehr die Stimmung bei uns finden, die solche Tage nationaler Erinnerung in aufrichtiger Hingebung begehen könnte; sie wird am wenigsten erreicht, sie wird in weiteste Ferne vertagt, wenn wir uns und Andere gar bereden möchten, sie sei schon da, diese goldene, sonnige Zeit; Juda's gleichberechtigtes Aufgehen in das politische Leben der Völker, diese vollendete, oder doch wie man gerne glaubt der Vollendung nahe Thatsache des neunzehnten Jahrhunderts, sei bereits der Schlußstein des jüdischen Nationalgeschickes und — es sei dies das erstemal, daß der Weltengeist, der bis dahin so irrelos Juda's Bestimmung im Voraus gezeichnet und Juda's Geschicke dieser Vorausbesttmmungeu gemäß geleitet, eine kleine Correktur durch die Wirklichkeit der Ereignisse zu erleiden