Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 9 (Juni 1861)
- Article
- Ein Sendschreiben [Rezension]
- Date
- 1861-06-01
- Page
- 483 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Von Göttlich Fischer 483 Principe, daß Gott, der Geber des schriftlichen Gesetzes die Forschungs-Regel der Gesera schawa auch für Wort-Analogie» gegeden hat, hat es Sinn zu sagen, unsere Chachamim hätten mit ״Einsicht und Ueberlegung" zur Ermittelung zweifelhaft gewordener Zweig- Fragen, die zu diesem Behufe vom Sinai gegebenen Forschungs- Regeln angewandt, und hätten die Amoraim eben nach diesen vom Sinai gegebenen Regeln die Motive der Halacha der Thannaim ermittelt, welche die Verfasser der Mischnijoth, Baraithot, Sifra, Sifri und Mechiltha ohne Angabe der Motive in ihren Sammln»- gen niedergelegt. Allein, wenn wir mit Herrn Frankel sagen, der Geber der Thora habe ganz und gar nicht die Forschungs-Regeln beabsichtigt, habe sie keineswegs dem Mosche zur Erforschung seines Gesetzes übergeben, es habe die Schrift nimmer durch Wort- Analogien etwas lehren wollen, es habe der Gesetzgeber nie die Absicht gehabt durch Anwendung gleicher Worte bei verschiedenen Gesctzobjekten deren gesetzliche Gleichstellung zu bezeichnen, es hätten auch die Thannaim nur von einer logischen ג׳ז׳ש, nicht aber auch von einer Wort-Analogie etwas gewußt, und nur die ״Amoraim ״ hätten, wie es S. 20 heißt, das Mittel erfunden, auch durch eine Gesera schawa vermittelst gleichlautender Worte etwas abzuleiten woran weder der Gesetzgeber, noch die frühern Thannaim gedacht, dann ist es ja ganz und gar unmöglich, daß das Motiv einer Halacha der frühern Thannaim sich auf dem von den Amoraim dafür aufgefnndenen Grunde einer Wort-Gesera schawa bastre, und gleichwohl sagt Herr Frankel, daß die Amoraim damit ״ein Motiv für die Worte der Thannaim hatten stnden wollen" und hätten damit ein völlig neues Motiv erfunden, an das die Thannaim nimmer gedacht — wahrlich dann waren die Amoraim keine Erfinder, sondern s. v v. Gaukler und Lügner, die den Thannaim Motive unterschoben, an die diese im Traume nicht gedacht! Ist das nicht die lächerlichste, leeres Stroh dreschende Doktrin von der Welt? Ist das die Weise wissenschaftlicher Wahrheitöforscher, Werke zu verfassen und Worte zu schreiben, in denen weder Sinn nach Verstand, weder Moral noch Geradheit zu finden? Wahrlich, mir wollen die Worte nicht aus dem Sinn, die Herr Frankel in der Vorrede geschrieben: "הראשנים ורו ובררו וטחגו והוציאו סלח כי לבם היה רחב כפתחו של אולם". Wie schön sind diese Worte!