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Jeschurun · 1861-06-01 · Heft 9 (Juni 1861) · p. 466

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1860-1861)
Issue
Heft 9 (Juni 1861)
Article
Siwan
Date
1861-06-01
Page
466 (sequence 4)
Language
German
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466 Siwan. Wie viele haben den Tod freudig umarmt um nur nicht ohne diese Min und gegen diese MIN leben zu müssen! Und Alles, was die Sophisten und die Abfallsprediger aller Zeiten unserm Volke zum Ersätze für diese min geboten, wie hat es sich von je und je im Laufe der Tage als Traum- und Aschen-Trost erwiesen, und wie hat sich diese Min, dieses Gesetz, eben in den Zeiten, wo alles Andere in Folge der Verirrung der Abgefallenen, und in Folge der Verführung der Sophisten in Trümmer ging, als der alles Andere entbehrlich machende Lebensschatz für den Einzelnen und die Gesammtheit erwiesen I Staat, Boden, Glanz, Königthum, Priesterthnm, Prophetenthum, Krtegesruhm, Völkerfreundschaft, Alles konnten wir verlieren, mit der Thora im Arm zogen wir hinaus in die Wanderschaft durch die Zetten unter die spottenden, höhnenden Völker. Wir ließen sie höhnen, wir ließen Spott und Hohn sich mit dem Wnrfstein der Steinigung und mit dem Feuerbrand der Scheiterhaufen und der Einäscherung sich gegen uuö waffnen — die Thora ersetzte uns Alles, ließ uns mitten in Zetten der Berdummung und Verdumpfung, der glorificirten Barbarei und Einfalt aus Erden ein still geistiges, sittliches, menschliches, und mitten in einem Meere von Jammer ein heiter seliges Leben des Einzelnen, der Familie, der Gemeinde entfalten, das noch heute sich als ein unerreichtes Ideal der Menschheit bietet. Was in jenem Tagebuch ein einzelnes jüdisches Gemüth an seiner Thora und seinen Mizwoth gefunden und in unerschöpfliche Ergüsse niedergelegt, daS hat Jahrtausende herab ein ganzes Volk ihm nachempfunden und auf seinen Wanderungen durch Völker und Zeiten in seliger Begeisterung ihm nachgesprochen: ״Als Fremdling wandere ich auf Erden, verhülle mir ״nicht deine Gebote!" ״Wälze von mir Schimpf und Hohn, denn ״deine Zeugnisse habe ich bewahrt!" ״Und saßen auch Fürsten und ״besprachen sich wider mich, dein Diener sinnt nur in deinen Ge- ״setzen." ״Deine Zeugnisse sind meine Freuden, sind meine Rath- ״geber." ״Mochten die Muthwilligen noch so viel meiner spotten, ״von deiner Lehre bin ich doch nicht gewichen." ״Es that mir Wohl, ״daß ich Leiden hatte, damit ich deine Gesetze recht erlernte. Die ״Lehre deines Mundes ward mir da theuerer als Tausende Goldes ״und Silbers. Fast hatten sie mich auf Erden vernichtet und ich ״ließ doch nicht von deinen Geboten. Wäre deine Lehre nicht meine

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