Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1861)
- Article
- Erfahrungen eines Landmannes in der Residenz
- Date
- 1861-05-01
- Page
- 436 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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436 Erfahrungen eines Landmannes Ln der Residenz. Glaube indessen nicht, daß unsere Juden sich hier nur in die zwei Classen: Börsenbesucher und Börsenmeidcr theilen. So wie du heute schon Gelegenheit hattest, ganz geschlossene, halb geschlossene und ganz offene Geschäfte zu bemerken: so hat auch die Börsenwelt drei Classen. Der bei weitem größere Theil der Börsenmäuner kennt keinen Sabbath, sobald die Börsenglocke läutet; da hört die Welt für sie auf, die Gott in sechs Tagen geschaffen und es ersteht für sie eine andere Welt, die nur nach Börscntagen zählt, und derartige sollte das Jahr für Manchen eigentlich (wenn es nur ginge!) 366 zählen. Die zweite Clflsse — an diesem Orte leider ein zähliges Häufchen — kennt heute weder Börsen-, noch Ladengeschäfte. Zwischen Beiden steht die dritte — sie nennt sich brüstend juste milieu — und siehst du, da steht schon ein Repräsentant derselben in der Mitte zwischen Börse und Welt; denn er hält sich nur an dcrThüre auf Um Alles in der Welt ginge er nicht hinein, (das wäre Sabbathentweihung); aber da an der Thüre, da steht er, notirt er, giebt den Agenten seine Aufträge, geht dann nach Hause, ordnet das hier abgeschlossene Geschäft und erfreut sich, wenn dafür noch Zeit bleibt, sammt seiner Familie zu Ehren des Sabbath. Doch laß uns jetzt nach Hause gehen; du wirst für diesen Morgen genug gehabt habeu, um mit gutem Appetite an dem Sabbath-Tische Platz zu nehmen. Du hast, glaube ich, genug gesehen von der Art und Weise, wie man den Sabbath nicht hält; am Nachmittage gebe ich dir Proben davon, wie mau den Sabbath trotz alles Gesehenen feiert und auszeichuet.