Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 7 (April 1861)
- Article
- Vorläufige Abrechnung
- Date
- 1861-04-01
- Page
- 351 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2932754-2932891-2932899-2945719--06432-2945729- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Vorläufige Abrechnung. 351 Theil jener schmählichen Armseligkeiten wahr, die sie uns angedichtet, unser dreißigjähriges öffentliches Leben müßte uns schon von selbst in den Augen aller unserer mitlebenden Zeitgenossen so heruntcrgebracht haben, daß sie nicht erst mit ihren schamlosen Schmä- Hungen unsere moralische Vernichtung hätten versuchen müssen. Daß sie erst nach dreißig Jahren der Welt die Augen über unsere Erbärmlichkeit öffnen müssen, ist für Jeden, auch der uns nicht kennt, die schlagendste Vernichtung ihrer Lügen. Man lebt kein dreißigjährigeS öffentliches Leben als unentlarvter Schuft. Daß ferner selbst die boshafteste Feindseligkeit, um uns moralisch zu vernichten, zu einem solchen Lügengewebe seine Zuflucht nehmen muß, dürfte Jedem, der uns, und somit die Lügenhaftigkeit dieser Verleumdungen kennt — und es leben doch noch wohl eine Hunderttausend jüdischer Seelen aller Parteien, aus deren Bewußtsein wir uns berufen dürften — das glänzendste für uns redende Zeugniß sein, daß selbst der Scharfblick des fanatischen Haffes keinen wahren Makel an uns zu entdecken weiß, und, um uns zu schmähen, zu Erdichtungen zu flüchten sich genöthigt sicht. Soviel, und wir glauben nicht zu viel, pro ciomo, um uns zur Sache zu legitimiren, um erst die Reinheit der Hand zu vindiciren, die es noch ferner wagt für die reinste Sache die Feder zu führen. Nun zur Sache selbst. Resumiren wir die Thatsachen. Im Januarhefte hatten wir ein Sendschreiben des Herrn Gottlieb Fischer zu veröffentlichen angefangen, das mit der Hodegetik zur Mischnah des Herrn Frankel und den talmudisch rabbinischen Quellenschriften in der Hand den Nachweis begonnen, daß in jenem Buche des Herrn Frankel der göttliche Ursprung der uns durch Mischnah und Talmud überlieferten Erklärungen der Thora-Gesetze negirt, damit aber ein Grundsatz geleugnet werde, der unseren talmudisch rabbinischen Quellenschriften als erstes Grundprincip des jüdischen Bekenntnisses gilt. Die Fortsetzung dieses Sendschreibens erfolgte erst im Februarhefte und erst dort sprachen auch wir uns über diese Schrift des Herrn Frankel aus und lieferten den Beweis, daß diese Leugnung des göttlichen Ursprungs der Tradition nicht nur in jenen wenigen, bis dahin von dem Sendschreiben angegriffenen Sätzen liege, sondern daß sieden Grundgedanken des gan-