Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 6 (März 1861)
- Article
- Deutschland : Pest, Mitte Febr. [Nachricht]
- Date
- 1861-03-01
- Page
- 341 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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341 Juden, ließ zwei Panduren holen, und ging mit denselben zu dem Juden, den er fragte, ob er den Hafer gekauft habe. Der Wirth wußte von der ganzen Angelegenheit kein Wort. Man durchsuchte das Haus und fand nichts; damit war man aber nicht zufrieden. Man trug den Juden in ein anderes Zimmer, band ihm Hände und Füße, hing ihn an den am Plafond angebrachten Nagel, mit dem Kopfe zur Erde, und stellte eine brennende Kerze unter den Kopf. Man ließ den Beklagenswerthen nun so lange die Leiden ertragen, bis ihn die Kraft verließ. Er wäre seinen qualvollen Schmerzen bald erlegen, wenn nicht seine Frau das Dorf in Alarm gebracht und die Glocken geläutet hätte. Dadurch kam eine große Menschenmenge zusammen, und der arme Mann war gerettet. Als die Uebelthäter bemerkten, daß ihr Treiben bekannt geworden sei, ergriffen sie die Flucht, und bis heute hatte man ihren Aufenthalt noch nicht ermittelt. Der arme Mann ist so schrecklich verbrannt, daß die Aerzte an seinem Aufkommen zweifeln. Pesth, 19. Jan. In der Prügelgeschichte von Eperies hat der dortige Magistrat eine Erklärung an die ״Ostd. P." geschickt in welcher ״bei aller aufrichtigen Achtung vor der Humanität" die ״rechtsspruchlich" vollzogene Stockstrafe für vollkommen konstitutivnell erklärt wird. — Erfreulicher ist ein Protest, welchen 12 christliche Bürger von Arad gegen die Stockprügel erlassen haben; es heißt darin: ״Wir Christenbürger der k. Freistadt Arad unterbreiten, um unseren Sympathien für unsere zahlreichen jüdischen Mitbürger einen Ausdruck zu geben, dieses Schreiben dem wohllöblichen Komitats-Ausschusse, um unseren Abscheu, welchen diese That des Dberstnhlrichters Jranyi in uns erweckt hat, im Einklänge mit den Gefühlen so vieler Millionen der Bewohner Ungarns auszusprechen und sagen offen, daß dieser Anrtsakt eine unerhörte Rohheit und eines türkischen Pascha würdige Willkür ist. Doch nicht allein in unserm Vaterlande, sondern auch im übrigen Reiche und Auslande hat diese That den größten Abscheu erregt. Die zahlreichen Feinde und Neider der wiedererwachten Freiheit Ungarns schreien mit offener Schadenfreude, daß Zeuge dieses konstitutionellen Amtsaktes unsere Selbstregierung in den Händen einer hochmüthigen zügellosen Adelsfraktion sei, welche sich auf das Stockregime stützt und im Geiste des 16. Jahrhunderts den Israeliten b wie einen Sklaven behandelt. Und nachdem ein solcher Oberstuhlrichter vom Komitate selbst gewählt wurde, so sei mit Grund zu folgern, daß die Regierungsgewalt auch anderswo mit Jranyi gesinnungsgleichen Genossen übergeben worden sei. Dies traurige, bcklagenswerthe Ereigniß, welches unser konstitutionelles Leben in der Wiege schon beschmutzt, erweckt in uns das Vertrauen, der löbliche Ausschuß werde den Frevel, der ein ganzes Land entehrt, durch all-