Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 6 (März 1861)
- Article
- Deutschland : Pest, Mitte Febr. [Nachricht]
- Date
- 1861-03-01
- Page
- 340 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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840 scheuuhr Nach einigen Tagen erwischte man den Thätcr, ein höchst berüchtigtes Jndivtdnnm. Nach einem gestrengen Verhör gestand der l: Dieb, daß ein Jude ihm die Uhr abgekauft habe, der Name war ihm unbekannt. Man führte ihn zu einem jüdischen Kaufmanne Namens Moritz Ascher, den der Dieb als den Käufer bezeichnete. Trotz der Betheuernngen Aschers, diesen Menschen nie gesehen und auch eine Uhr nicht gekauft zu haben, wurde er gebunden und inS Gefängniß geführt. Ascher konnte nichts eingestchen, da er die Uhr nicht hatte. Der Stuhlrtchter behandelte ihn human, aber während der Abwesenheit desselben ging der Eskut Verke mit zwei Panduren ins Gefängniß und stellte ein neues Verhör an. Es folgte eine Procedur, deren Schilderung wir den Lesern erlassen, sie glich oder übertraf vielleicht noch jene Torturen, die die finstern Zeiten kenuzeichnen. Der bis aus den Tod durch Ohrfeigen, Stockprügel, Peitschenhiebe und andere schreckliche Marter Gequälte konnte nichts eingestehen. Der Comitatschirurg, der hinzutrat und gegen ein solches Verfahren protestirte, wurde von den Panduren mit Kolbenhieben fortgestoßen. — Die Deputation hat bewirkt, daß der unschuldige Gefangene seiner Haft entlassen und eine eigene Commission ernannt wird, der man die strengste Untersuchung zur Pflicht macht. Die Israeliten des Torontaler Comitats machten am 3. d. zu Gr.-Becskcrek ihre Aufwartung dem Hrn. Obergespan Ladislaus v. Karacsouhi; eine Ansprache des dortigen Rabbiners beantwortete der Hr. Obergespan mit folgenden schönen Worten: ״Meine Herre»! Gleiche Rechte, gleiche Pflichten! Ihre Söhne haben oft mit mrd für uns ihr Blut für das Vaterland verspritzt. Zu Ihren Anforderungen sind Sie vornehmlich als Kinder des Landes, als israelitische Ungarn vollkommen berechtigt, und es werden ihnen gewiß alle ihre Rechte zngestanden werden, denn es ist dies eine unabweisltche Forderung der Zeit. Ich meinerseits und bei meiner Stellung, ohne dieß Wohl besonders hervorheben zu können, kann Ihnen sagen, daß der Landtag gewiß und unausbleiblich Ihnen Ihre Rechte ertheilen wird, und sollte dies nicht der Fall seyn, dann wahrlich gibt es auch keine Gerechtigkeit mehr!" — Ein Herr Albert Schwarz in Wien theilt der ״Presse" folgenden abscheulichen Vorfall mit, der sich am 31. Jan. auf dem Batthyany'schen Gute Kovacsi im Eisenburger Comitate ereignete. Es wohnt daselbst seit Jahren ein jüdischer Wirth, Namens L. Wurmsfeld, gegen welchen ein christlicher Nachbar schon lange ge- Heimen Groll hegte. Letzterer gab nun neulich scinem Kutscher Hafer für zwei Pferde; dieser bestahl aber seinen Herrn um einen halben Metzen und veräußerte den Hafer. An wen, wollte er durchaus nicht eingestehen. Der Bestohlene warf seinen Verdacht auf den