Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 6 (März 1861)
- Article
- Aus einem Briefwechsel über die Psalmen
- Date
- 1861-03-01
- Page
- 318 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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318 Aus einem Briefwechsel über die Psalmen. Inhalt eben ist: daß er um nichts bitte. Viele freilich sprechen: ״Wer uns doch Gutes erleben ließe! Erhebe doch panier-gleich das Licht deines Angesichtes über uns!" — so scheint das נסה im Doppelsmne: נשא לנם gedacht zu sein. — Lasse einen Strahl deines Angesichts im äußern Leben uns leuchten, damit wir nicht an dir irre werden und noch sehen, daß du mit uns bist und uns noch glücklich machen wollest. — נתחה u. s. w.: Mir aber hast du beretts Freude in's Herz gelegt, mehr als zur Zeit wo ihr äußerer Ucberfluß sich mehrt. Obgleich mitten in Noth und Drangsal, so ist doch mein Herz fröhlich und heiter durch dich, und hat keine weitern Bitten und Wünsche. — בשלום ׳הדו u. s. w. ״Ausgesöhnt mit der ganzen Welt und furchtlos wie mitten im Frieden will ich mich nieberlegcn und schlafen, denn du Gott allein lassest zur Sicherheit mich ruhen!" Es dürfte nur noch zweifelhaft sein in welchem Sinne das ׳הדו zu verstehen wäre. Ich glaube nämlich nicht, daß dasselbe sonst noch das Zusammengeschehen in der Zeit, sondern nur das räumliche Zusammensein bedeute. Es könnte demnach nicht wohl — was sonst dem Zusammenhänge sehr entspräche — die Gleichzeitigkeit des Einschlafens und des Niederlegens ausdrücken, sondern ergänzt wohl nur den Begriff בשלום: im Frieden mit Allen, in allseitigem Frieden. Dieser Psalm schließt sich in der Gedankenrichtung eng den srühern an. Der vorige erblickt in der einfachen Thatsache des nach erquickendem Schlafe neugeschenkten Daseins die Bürgschaft der noch immer unverlornen Gottesgnadc; dieser weist in dem ruhigen, friedliehen Schlafe mitten in Drangsal und Noth die Frucht eines in Gott zufriedenen Herzens nach, das sein Glück und seine Freude nicht von der mehr oder minder freundlichen Gestaltung der äußern Zustände abhängig macht.