Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1861)
- Article
- [Nachricht]
- Date
- 1861-02-01
- Page
- 297 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
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- IRI
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297 Briefkasten der Red.: Herrn H. C. in B. Die in Ihrem Briefe zum Ansdruck kommenden Gesinnungen stnd in solchem Maaße zugleich ehrenvoll für Sie, wie für den von Ihnen verehrte» Lehrer, daß ich keinen Anstand nehme ihn hiermit öffentlich zu beantworten. Es wäre in der That schrecklich, wenn Angriffe, wie sie unser voriges und gegenwärtiges Heft gegen die wissenschafiltchen Principien Ihres Lehrers bringen, dessen Schüler und Freunde nicht betrüben sollten. Ich zolle Ihrem Pflichtbewußtsein volle Anerkennung, das sich gedrungen fühlte mir zu bezeugen, wie der von Ihnen vcrehrte Lehrer ganz in altem orthodoxen Sinne lebe, ״mit dem Talith über dem Kopf in der Synagoge stehe, mit Ihnen am Freitag Abend Semiroth singe und auch beim Schtur bei Gelegenheit eifrig bemerke: ein Jere Schamaim müsse hier machmtr sein!" Ich halte mich verpflichtet, ebenso öffentlich wie jene Angriffe zu bestätigen, daß mir Ihr Brief des bezeichneten Inhalts zugekommen. Allein Sie begreifen, daß es sich um alles dies hier gar nicht handele. Es handelt sich nicht um den Privatcharakter und das Privarlcbcn Ihres Lehrers. Die ganze Vergangenheit des Jeschnrun bezeugt es, wie wir uns von allen persönlichen Verkletnerungsversuchcn rein halten und uns ein inquisitorisches Spioniren in die tiefste Seele zuwider ist und anekelt. Es handelt sich ebenso wenig um den größer« oder geringern Werth, den Ihr Lehrer bei seinem Unterrichte noch auf das eine oder andere Stück vom Judenthum zu legen sich veranlaßt sieht. Von dem Systeme, das er wissenschaftlich vertritt, und das er darum nach der Pflicht der Rechtschaffenheit, die auch in der Wissenscbaft und in der Lehre gilt, durch seinen Unterricht zur Pflege und Blüthe zu bringen versuchen muß, und von den Principien, auf welchen dieses System steht, davon ist die Rede, und davon muß die Rede sein, so lange der Liebe zum ״Frieden", die Liebe zur Wahrheit vorangehen muß: האמת והשלום אהבו, und so lange das Judenthum eine Lehre der Wahrheit ist, die mit keinem irgend welchem subjektiven Abfindungssystem etwas gemein hat. Es kann Jemand in der Theorie ein vollendeter Sadducäer sein und doch in Praxis ein streng orthodoxes Leben führen; er kann, ringeachtet des nach seinem Systeme durch und durch menschlichen Ursprungs aller über die Bibel htnausgehcnden Halacha, doch für sich die Brücke gef :nden haben, wie er gleichwohl sich verpflichtet halten kann, auch das durch menschliche Erfindung noch so fern mit dem göttlichen Gesetz in Verbindung Stehende heilig zu halten; er kann sogar sich in bester Absicht bereden auf dem gleichen Wege Jünger zu gleichem ״Frommsein" heranbilden zu können und doch hätte das — da wir einmal einen Namen brauchen müssen — orthodoxe Judenthum mit diesem