Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1861)
- Article
- Der Cultus [Rezension]
- Date
- 1861-01-01
- Page
- 222 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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222 Der Kultus. gegen Jeden auszusprechen, der Blut, der gewisse Fettheile, gewisse Thiere ißt u. s. w.? Hätte es nicht genügt, ja wäre es nicht seiner Ehre, seiner Pflicht gemäß gewesen, seinem Volke zu sagen, daß der Genuß dieser Speisen in ihrem Clima ungesund und lebensgefährltch wären? Warum in einfachen Fragen diätetischer Gesundheitspflege die Gottheit interveniren lassen, und entehrende, zeitliche oder ewige Strafen für Handlungen dekretiren, die nichts Verbrecherisches an sich trügen, die nichts als eine Nichtbeachtung ärztlicher Vorschriften wären? In der Wüste ferner hatten ja die Israeliten kaum den großten Theil der Speisen die ihnen Moses verboten, sie hatten nur die zum Opferdienst der Stiftshütte nothwendtgen Thiere, sie selbst aber litten an allem Mangel; sie hatten weder Brod zu essen noch Wasser zu trinken; die armen Ausgehungerten fielen mit wahnsinniger Gier über die vom Winde herbetgeführten Wachteln her und starben daran; sie wollten zu den Ketten der egyptischen Sklaverei zurück, lediglich um ihren Hunger zu stillen. Und Moses wäre so grausam gewesen, mitten in ihrem Elende ihnen unnützer Weise von einer Menge Speisen zu reden, die lle gar nicht hatten, die sie nie haben sollten, da sie in der Wüste zu sterben verurtheilt waren?! Welch schrecklicher Hohn, dem Armen, der nicht das trockene Brod zu essen hat, Nektar und Ambrosia, die Gastmähler des Reichthums und die Genüsse des Wohllebens zu untersagen! Hätte Moses nicht füglich seinen Nachfolgern, den Männern von Fach in Kanaan, die Sorge überlassen dürfen, die Israeliten zu lehren, welche Nahrung und Lebensweise sie in dem Lande zu beachten hätten um ihre Gesundheit nicht zu gefährden? Kurz, war Moses ein Arzt, war er ein Professor der Gesundheitslehre? Im dritten Buche seines Gesetzes widmet er lange Kapitel dem Aussatze und den Krankheiten die ״unrein" machten; er konnte äußere Zeichen «»geben, nach welchen der Priester das ״rein" oder ״unrein" auszusprechen hatte; aber er konnte doch nicht ein einziges Heimittcl für alle diese Krankheiten angeben; er hatte so wenig medtcintsche oder chemische Kennt- Nisse, daß Gott selbst ihn ein Holz kennen lehren, mußte, das die Eigenschaft hatte das Wasser zu versüßen! Moses war eben so werüg Mediziner als praktischer Jurist, da sein Schwiegervater Jethro