Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1861)
- Article
- Zur jüdischen Schulfrage
- Date
- 1861-01-01
- Page
- 218 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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218 Die Unterrichtsanstalt der tsrael. Relig.-Ges. in Frankfurt a. M. Da dieser Stundenplan nur als Beispiel eines unserer Pläne mitgetheilt wird, so bietet er zu eingehender Besprechung keinen Anlaß und, gestattet mir, mich auf einige allgemeine Bemerkungen zu beschränken. Die Stundenzahl von durchschnittlich 45 Stunden für die mittleren und höheren Claffen dürfte verhältnißmäßig etwas hoch gegriffen scheinen? Ich antworte: Je nachdem. Was die Nothwendigkeit betrifft, so ist diese nur bet Anstalten vorhanden, die einen umfassenden Lehrplan wie den unsrigen haben. Nichts desto weniger giebt es Schulen, die für die höheren Claffen eine nur unbedeutend kleinere Stundenzahl haben, obgleich ihr Lehrplan durch den fast gänzlichen Ausfall des Hebräischen um ein bedeutendes einfacher, und die Ziele, die sie in manchen Realien sich gesteckt, minder umfaffend sind. . : Zur Sache selbst bemerke ich: 1. Es läßt sich gar keine allgemein gültige Stundenzahl-als Norm oder Maximum für ein bestimmtes Alter angeben. Ist der Unterricht nicht anregend, geistweckend, versteht er nicht im Kinde die Freude am Lernen zu erzeugen, nimmt er vor allem nicht fort und fort die geistige Selbstthätigkeit des Schülers in Anspruch und bietet er endlich nicht durch die Mannichfaltigkeit der Unterrichtögegenstände schon an und für sich viele Abwechslung: so ist schon eine wöchentliche Stundenzahl von 30 langweiliger und in mechanischem Schlendrian hingebrachter endloser ״Schulstunden" mehr als zuviel, sie reicht hin eine lähmende Wirkung auf die geistige Entwickelung zu machen, die nur spät und schwer, wieder verwischt wird. Wcniger zufällig als harmlos, jedoch mit großer Regelmäßigkeit gesellt sich bei den Erwachsenen zu der Erinnerung an die Schulbänke die Vorstellung einer eintönigen Langeweile, die nur hie und da durch das Gedächtniß lustiger ״Streiche" momentan Unterbrechung erlitt. Im vorliegenden Falle liegt jedoch von allen jenen Beziehungen das Gegenthetl vor, Ein Blick auf den Lekttonsplan lehrt, daß an Mannigfaltigkeit und Abwechslung wahrlich kein Mangel ist. Eben diese Mannigfaltigkeit der Unterrichtsgegenstände macht es bei der verhältnißmäßig geringen, einem jeden zuzümcffenden Stundenzahl, für uns zu einer gebieterischen Nothwendigkeit, den Unterricht uiöglichst compendiös zu gestalten, stets und stets an die geistige Selbstthätigkeit des Schülers zu appelliren, alles mechanische Ge- ,g