Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1861)
- Article
- Ein Sendschreiben [Rezension]
- Date
- 1861-01-01
- Page
- 199 (sequence 4)
- Language
- German
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von Gottlteb Fischer. 199 schienen, deren Verfasser, Herr vr. Z. Frankel, früher Oberrabbiner in Dresden gewesen und gegenwärtig einem Rabbinerseminar in Breslau als Direktor vorsteht. Er nennt sein Werk: דרכי המשנה ודרכי הספריס הנניויס אליה התוספתא, מכילתא, ספרא, ספרי. Es soll dieses Buch eine Hodogetik zur Mischna und den mit ihr zusammenhäugenden Schriften sein, und als ich den Namen dieses Buches las, hoffte ich darin Blüthen redlicher Forschung und Anleitung zur wahren Erkenntniß zu finden. Allein wie sehr findet man sich schon nach dem Lesen weniger Blätter bitter enttäuscht! Dornen sind dargereicht statt Blüthen, und irreführende Täuschung statt wegweisende Wahrheit. Hüllte sich nun der Verf. nicht in den Schein eines treuen Traditionsgläubigen, träte er offen wie seine Gesinnungsgenossen auf, die einst in Braunschwetg, Frankfurt und Breslau getagt, ich hätte geschwiegen. Allein der Verf. gefällt sich in täuschendem Schein; voller Ehrerbietung spricht er von den Soferim, den Männern der großen Versammlung, und von den Thannaim, und ist doch — wie ich zeigen werde — um ganze Himmelsfernen mit seinem Stand- Punkt von ihnen und ihren Grundsätzen und Lehren entfernt. Das hieß mich reden. Die, unter dem Heiligenschein einer den Gesetzesweisen gezollten Ehrerbietung, geübte Höhnung des göttlichen Gesetzes muß einen Jeden mit solcher Entrüstung erfüllen, daß Schweigen Verbrechen wäre. Und bin ich auch meinem Stande nach ein ״Laie" und fern von jeder amtlichen Stellung und jeder socialen Bedeutung, und ist der Verf. einer der Koryphäen unserer gelehrten Zeitgenossen und Leiter eines Seminars, aus welchem ״die Thora ausgehen soll für Israel", so sind wir doch Gott gegenüber Alle ״Laien", und es lehren unsere Weisen: ״Gott gegenüber gilt keine Gelehrsamkeit, keine Weisheit und keine Erfahrung, wo der Name Gottes entweiht wird schwindet alle Rücksicht auf Würde und Amt." Und hätte der Verf. alle Gelehrsamkeit und Wissenschaft erschöpft, sobald seine Worte in Widerspruch stehen mit den tradirten Grundsätzen der Gesetzeslehre, also, daß seine Schrift Lüge und Täuschung in ihrem Schooße trägt, die Geister unserer Zeitgenossen von der Thora ab in die Oede des Wahns und des Jrrthums zu führen, so ist jeder ״Late", der davon Einsicht gewonnen, nicht nur berechtigt, sondern verpflichtet, für das heilige Erbe seines Volkes in die Schranken zu treten und seinen Brüdern die Falle zu zeigen, die man ihnen ge-