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Jeschurun · 1861-01-01 · Heft 4 (Januar 1861) · p. 197

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1860-1861)
Issue
Heft 4 (Januar 1861)
Article
Ein Sendschreiben [Rezension]
Date
1861-01-01
Page
197 (sequence 2)
Language
German
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von Göttlich Fischer. 187 haben viele angefangen dem Bund, den Gott mit uns geschlossen, untreu zu werden, und, wahrend sie sich Rabbiner und Lehrer des Gesetzes nennen, haben sie in verschiedentlicher Weise versucht, auf zum Thetl dem unkundigen Auge verdecktem Wege, die Grundsäulen der Gesctzeslehre zu untergraben, zu deren Pflegern der Name ihres Standes und ihres Berufes sie vor Allen bestellt. Manche wenden geradezu die Waffen des Spottes und der Verachtung gegen die Worte unserer Weisen. Manche fangen cs klüger an. Voller Ehrerbietung gegen unsere Weisen — ihren Versicherungen nach — haben sie nichts weniger im Sinne, als die Grundsäulen der Thora umzustoßen. Wissen sie doch sehr wohl, daß ihre Zeitgenossen nur sehr wenige Kenntniß von der religiösen Gesetzeslehre haben, und wenig im Stande sind ihre Worte und Behauptungen zu prüfen. Darum schreiben und reden sie alles was zu ihren Zwecken passt stützen alles scheinbar auf talmudtsche Belegstellen, unkundige ״Laien" glauben ihnen und vertrauen ihrer Gelehrsamkeit und ihrer Wissen- Haft, so daß unser heiliges Religionsgesetz, inbesondere die mündliche Lehre, zum ganz gewöhnlichen Stichblatt jedes seichten Witzboldes herabgewürdigt wird und sich die Beurtheilung und Verurtheilung deS ersten besten Gasthausconctls gefallen lassen muß. Wo giebts in der That heutzutage einen halbgebildeten, ja einen völlig ungebildeten Schwachkopf, der — insbesondere mit einem Blatte der heutigen jüdischen Tagespresse in der Hand — nicht sich ein völlig competentes Urtheil in diesen Dingen zutraute, zu deren Beurtheilung ihm die allerersten Rudimente abgehen! Lächelt gleich der Kundige über diese Erzeugnisse der sogenannten religiösen Tagesliteratur und erkennt auf den ersten Blick, wie nur völlig halachische Unkenntniß und laienhafte Oberflächlichkeit und Ungründlichkeit die Feder geführt, so wird doch die Menge irre geleitet, wird schwankend und wankend, und erkennt die Täuschungen von Männern nicht, die sich Rabbiner und Gesetzeslehrer, Männer des Fortschritts und der ״Verbesserung" nennen, und unter diesem Deckmantel ihre Brüder irre führen, Tag in Nacht, Nacht in Tag verkehren und mit dreister Stirn die offenbarsten Unwahrheiten lehren, wohl wissend, daß sie das prüfende Urtheil der unkundigen Menge nicht zu scheuen haben. Wären wir jedoch noch wie vor Zeiten und wie es unsere Pflicht gebietet, in gründlicher GesetzeSkunde erzogen, diese Erschei-

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