Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1860)
- Article
- Kleine Bilder aus der jüdischen Gegenwart
- Date
- 1860-12-01
- Page
- 178 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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178 Kleine Bilder aus der jüdischen Gegenwart. überraschten Mannes waren vergeblich. Umsonst erschöpfte er alle Gründe der Vernunft und des Vertrauens aus Gottes Wallung; seine Frau blieb hartnäckig bet ihrer Befürchtung und immer dringender wurde ihr Verlangen die Strümpfe aus dem Grabe wieder zu sehen. Die krankhaften Bilder ihrer Phantasie, die Trostlosigkeit ihres Gemüths, das des festen Ankergrundes, des Gottvertraucns entbehrte, versetzte sie in einen Zustand der an Wahnsinn grenzte. Ihr Gatte begann auch für sie zu fürchten. Er entschloß sich endlich ihrem Verlangen zu willfahren. In Begleitung eines Dieners begab er sich zum Kirchhofe. Mit schwerem Gelbe bestach er den Todtengräber, der in finsterer Nacht das Grab öffnete und die Leiche der verlangten Strümpfe entkleidete. Beim beginnenden Tage kehrte Herr Cohn mit ihnen zu seiner Frau zurück. Mit wahnwitziger Freude zog sie ihrem Manne das kostbare Kleidungsstück aus der Hand. Ihr Svhnchen genaß. Ob Frau Cohn den ״Causalnexus" zwischen den Strümpfen und dem ״Krankheitsstoff" nachträglich noch gefunden hat, oder ob sie diese Frage noch zu den Dingen zählt, über welche die Wissenschaft noch, nicht im Klaren ist — wissen wir nicht —