Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 2 (November 1860)
- Article
- Entgegnung auf ein Gutachten von Hirsch B. Fassel, Oberrabbiner zu Gr. Kanischa
- Date
- 1860-11-01
- Page
- 110 (sequence 2)
- Language
- German
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110 Entgegnung auf ein ״Gutachten re." ein Grad von Gewissenhaftigkeit in jüdisch -religiöser Beziehung erforderlich ist, nach unseren reltgionsgesetzlichen Vorschriften nicht das geringste Zutrauen geschenkt werden darf; , nachdem ich ferner Jahrg. VI. dieser Zeitschrift zeigte, daß manche Resultate, zu denen Hr. Low in seinen s. g. reltgionsgeschichtltchcn Studien gelangt, entweder ans Ignoranz oder auf absichtlicher Entstellung der Wahrheit beruhen: mußte mir natürlich die Ansicht des Hrn. L. höchst gleichgültig sein, und konnte ich es nnr als eine lächerliche Arroganz betrachten, daß Hr. L., ohne von mir aufgefordert worden zu sein, mir in jener Nachbemerkung seinen Rath über die Ausübung meiner Berufspflichten aufdrängen wollte. Herr L. ging überdieß auf die einzelnen Fragen nicht ein, sondern crthetlte den von dem hiesigen Vorstände ihm mitgetheilten ״Einrichtungen" vu ll 100 seine Zustimmung. Es wäre daher in jeder Beziehung überflüssig gewesen, auf jene Nachbemerkung zu entgegnen, und beabsichtigte ich aus den Inhalt derselben erst dann einzugehen, wenn Hr. L. seinem Versprechen gemäß bewiesen haben wird, ״daß auf dem Standpunkte der al- ״ten entschiedenen Orthodoxie die hiesige Hauptschule aufgelöst" werden müßte. Da nun Hr. 8. trotz seiner Ansicht, nach der vom Standpunkte der Orthodoxie aus eine jüdische Hauptschule aufgelöst werden müßte, doch gewiß seine Zustimmung hierzu nicht geben würde, liegt in jener Aeußerung doch wenigstens das offene Geständniß, daß man nach der Anschauung des Hrn. 8. mit der alteu entschiedenen Orthodoxie, worunter nichts anderes als Talmud und Schulchan Aruch zu verstehen ist, brechen dürfe, und durch dieses aufrichtige Bekenntntß kann jene Aeußerung des Hrn. L. durchaus keine schädlichen Folgen nach sich ziehen. Ganz anders aber verhält es sich mit Hrn. Fasset; er sagt nämlich B. CH. S. 354: ״Der Talmud und der daraus geschöpfte ״Schnlchan-Aruch sind unsere Setter in religiösen Dingen, ,und aus ״diesen ehrwürdigen Büchern werde ich meine Beweise schöpfen." Hr. Fasset stellt sich also ganz ans den Boden der alten Orthodoxie; erklärt, daß Talmud und Schulchan Aruch in religiösen Fragen normgebend sind; aber eben dadurch zeigt Hr. F., daß er — minder ausrichtig als Hr. Löw ist. Hr. Löw macht sich lustig über die alte entschiedene Orthodoxie; Hr. Fasset schmeichelt ihr, er unterschreibt den Grundsatz der Orthodoxie, unterschreibt den Grundsatz, mit dem