Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1860-1861)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1860)
- Article
- Tischri
- Date
- 1860-10-01
- Page
- 2 (sequence 2)
- Language
- German
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2 Tischr«. Kräfte in Erscheinung und Wesen, und es ist auch derselbe menschliche Geist, dasselbe uienschliche Gefühl, daö sie sinnend betrachtet und denkend empfindet; allein die Stimmung, die Beziehung, die Lage, die Stellung, die Welt- und Geschichts-Momente des betrachtenden Menschen sind andere, und darum klingen von derselben Welt in derselben Brust so verschiedene Weisen, weckt dieselbe Welt in derselben Brust zu verschiedenen Zetten so verschiedene Klänge; und diese verschiedenen Weisen und Klänge, sie sind doch allesammt nur Bruchtöne der einen harmonischen Wahrheit, sind alle gleich wahr, sind das aus dem Born allgemeiner Wahrheit für den augenblicklichen Moment abgeschöpfte entsprechende Wahre, sind in all ihrer scheinbaren Verschiedenheit eins: das eine Wort der Wahrheit und des Lebens, das der Schöpfer durch seine Schöpfung zu dem cmpfängltchen Geiste und Gemüthe seiner Menschen spricht. Wer zählt die Gedankenkreise und die EmpsindungSwetsen, die die Thora und die Mizwoth in der Brust der sie Lernenden und klebenden, der sie mit Geist und Herz Lernenden und klebenden geweckt, seitdem Gott am Sinai seinem Volke das Erbthetl ihrer Zukunft gereicht und mit den Wahrzeichen seiner Lehre die Zeiten unseres Daseins und die Momente unseres Lebens umkleidet, seitdem er Sabbath und Moed in unsere Wochen und Zähre gefügt, seitdem er mit Milah und Ziezith, Mesusah und Tefillin die Hüllen unseres Geistes zu Sprechern an unsern Geist bestellt, seitdem er n unsere Aecker und Felder, in unsere Herden und Wiesen, in unsere Speicher und Werkstätten, in unsere Hütten und Stuben, in unsere Küchen und Säle, in unser ganzes Menschen-, Familien- und Staatsleben — pnr אור, wie es das sinnige Wort der Weisen nennt — die Saaten seines Lichtes gestreut; wer zählt die Gedankenkreise und die Empfindungsweiscn, die die Thora und Mtzwoth seit Jahrtausenden in den Geistern und Gcmüthern ihrer sie lernenden und übenden Kinder geweckt! Es ist dieselbe Thora, dieselbe Mizwah, und es ist dasselbe jüdische Gemüth, derselbe jüdische Geist; aber die Stimmung und Lage, in welchen uns die Mizwah trifft, in welchen uns das Wort der Thora anspricht, sind nicht immer dieselben, und darum wecken sie mannigfaltig verschiedene Gedankenrichtungen, mannigfaltig verschiedene Empfindnngstöne, die allesammt den verschiedenen Momenten und B ziehungen entsprechen,