Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1859-1860)
- Issue
- Heft 12 (September 1860)
- Article
- Preßprozeß Sebastian Brunner contra Ignaz Kuranda
- Date
- 1860-09-01
- Page
- 663 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2932754-2932877-2932890-2945105--05948-2945149- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Sebastian Brunner contra Ignaz Kuranda. 663 staunen gesetzt; es lag hier in derSchüscl ein menschlicher Körpertheil .. . . Dieser Darstellungsweisc selbst aber scheint die Anstcht zu Grunde zu liegen, daß schon beim Abendmahl Christi ein Kind geopfert und verzehrt worden sei — eine jetzt freilich im äußersten Grade befremdliche und abstoßende, dem heutigen, wenn auch noch so fanatischen Christen, wenn sie ihm von Seiten der Forschung entgegentritt, als Lästerung erscheinende Vorstellung, die aber selbst durch biblische Berichte einigen Halt zu bekommen scheint. Wenn Bilder jener Art in neuern Zeiten sehr selten sind, so ist das sehr natürlich und begreiflich, da sie bei erwachender und wachsender Bildung so anstößig und empörend und so nachtheilig und gefährlich fürs ganze Christenthnm werden mußten, daß man sich wundert, wie sich dennoch einige selbst bis in dieses Jahrhundert hinein zu erhalten vermocht." ״In einem altfranzösischen Werk, von welchem Büsching in seinen Erzählungen, Dichtungen u. s. w. des Mittelalters einen. Auszug gibt, der llistoiro äu 8d. Grreaiü von Robert de Bonron oder wie dieser verschieden geschriebene Name sonst lautet, kommt Folgendes vor. Christus lehrt dem Joseph von Arima- -thia nnter Donner, Blitz und Erbeben, wobei sich die Gestalt deS Herrn am Kreuz zeiget, die Geheimnisse der Messe. Joseph segnet, wie ihm geheißen wird, daö Brod und den Wein. Als er es gethan, sieht er ersteres in ein Kind verwandelt und letzteres in noch warm sprudelndes Blut. Er theilt das Kind, wie ihm ebenfalls befohlen wird, in drei Stücke, als er aber niedergefallen ist und gebetet hat, erblickt er auf der Pateue nichts als ein Stück Brod; so wie er es jedoch in den Mund nimmt, verwandelt es sich wieder in ein Kind. Deutlicher kann das altchristliche Mysterium der blutigen Messe kaum angrdeutct werden. Die Sache ist um so aussalleuder, da Gott dem Joseph, bevor ihm die Messe gelehrt wird, den Befehl ertheilt, sich mit seiner Frau zusammen zu begeben und einen Sohn zu erzeugen, der also wohl bei der beabsichtigten Ceremonie zum Opfer fallen soll." Ich bitte, Seite. 79 vorlesen zu lassen, worin die Worte Christi: ״Lasset die Kleinen zu mir kommen" von Daum er dahin iutcrprctirt werden, Christus habe dies befohlen um die Kinder zu opfern. Die Stelle wird unter allgemeiner Sensation vorgelesen; sic lautet: ״Lasset die Kleinen zu mir kommen und wehret ihnen nicht!" — Eine gemüthlich ansprechende Stelle, die dem Evangelium zu besonderer Zierde gereicht. Jesus ein Kinderfreund — wie menschlich, wie schön! Es wäre Schade, wenn die Stelle, mit kritischeren Augen als bisher betrachtet, einen anderen Sinn