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Jeschurun · 1860-09-01 · Heft 12 (September 1860) · p. 637

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1859-1860)
Issue
Heft 12 (September 1860)
Article
Elul
Date
1860-09-01
Page
637 (sequence 11)
Language
German
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tlnsrre Aufgabe. 637 Und es will doch dieses Gottesgesetz nimmer bewahrt und erfüllt werden als der hindernde Ballast aus einer alten verkommenen Zeit, ondern als der frische Lebensbaum jeder jung aufblühenden Ge- ^genwart, als der blüthenschwangere Keim jeder hoffnungsreichen Zukunft, — und es tritt doch mit der Prätension sonder Gleichen auf das Forum der Menschheit, die einzige unter allen, Thaten und Schicksal bauenden Institutionen zu fein, die nimmer der Vergangenheit verfällt, die immer der Zukunft, ja welcher eben alle Zukunft angehört, weil sie eben die einzige ist, die nicht dem räumlich und zeitlich beschrankten Menschengedanken, die dem ewigen, die Zukunft der Menschen bauenden Gottesgedanken entstammt, und eben für diesen Gottesbau der Zukunft an die Menschheit gekommen — Nichts ist geschehen für die lebendige Erfüllung des göttlichen Gesetzes und der jüdischen Gegenwart, wenn es der Leichenschau der Alterthumsforscher überwiesen bleibt — die Erkenntniß der Bedeutung und Berechtigung seiner Institutionen für die lebendige Gegenwart und für den Heilesbau der Zukunft, nach welcher diese Gegcnwart ringt, müssen wir erstreben, auf daß wir daraus mit dem alten jüdischen Gesetze in der Hand, mit seinem Geiste im Herzen, seiner Erfüllung im Leben, als Juden unsere Berechtigung und Bedeutung in der Gegenwart und für die Gegenwart begreifen, nicht mehr Europäer sein obgleich Juden, nicht Juden obgleich Europäer, sondern Europäer sein weil wir Juden sind und zu dem Bewußtsein gelangen: dem Heile der Menschheit keinen großem Dienst erweisen zu können, als indem wir der Erkenntniß und Erfüllung des alten jüdischen Gottesgesetzes, dessen Depositäre wir sind, alle unsere Kräfte mit freudigster Hingebung weihen. Zur Höhe dieses Bewußtseins führt aber nur eine Erkenntniß des Geistes der Gesammtinstitntion unseres Gesetzes und eine an dem Maßstabe dieses Geistes vorzunehmenden Prüfung aller dcrjcnigen Institutionen, mit welchen seit dem Anbeginn der Völker- und Staatengeschichte bis heute die Menschen vergebens das Heil auf Erden gesucht und suchen — und dies ist ein Feld von so außerordentlicher Tragweite, daß wir gemeint, es sei nur durch die gemetnsame Arbeit der begabtesten und erkenntnißfreudigen Geister unserer Gegenwart geistig zu erobern. (Fortsetzung folgt.)

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