Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1859-1860)
- Issue
- Heft 11 (August 1860)
- Article
- Aw
- Date
- 1860-08-01
- Page
- 593 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Da» Zion der Zukunft uud die heutige Reform. 593 dem heidnischen, der vermeintlichen ״Pflege" vermeintlicher Götter entnommenen Namen: ״Kultus", ״Opferkultus^, ״blutiger Opferknltus" benannt, — diese Abodah, wollen wir sagen, dieser Opfergottesdienst zu Zion ist so wenig eine bereits überwundene Stufe, daß wir vielmehr noch nie eine Zeit gehabt, in welcher wir dauernd würdig gewesen, מקדש ד' וקרבנוחיו, das Heiligthum Gottes und seine Opfer in unserer Mitte zu haben, weil noch nie unser ganzes Einzel- und Gesammtleben so von dem Geiste des göttlichen Gesetzes durchdrungen gewesen, daß es flch als wirkliche Verwirklichung dessen dargestcllt hätte, was das stete Nationalopfer aus der Moriahhöhe als unsere mit jedem Tag und jeder Stunde erneut zu beherzigende und mit jedem Blutstropfen, jeder Siilneswahrnehmung, jeder Triebesregung, jeder Willenskraft und jedem Thaten-Hebel und -Mittel zu verwirklichende Aufgabe in der Bedeutung eines National-Bekenntnisses und -Gelöbnisses auszusprechen bestimmt war uud ist. Wie es heutigen Tages keine geringe Blasphemie ist, ein Haus zum jüdischen Gotteshaus zu weihen und in diesem Sinne das jüdtsche Gottesgesetz in dessen allerheiligsten Schrein zu tragen, gleichzeitig aber den Aussprüchen eben dieses jüdischen Gottesgesetzes nicht j nur durch Verleugnung im Leben, sondern durch principielle Lehre, Autorität und Gesetzeskraft fürs heutige Leben abzusprechen, also ward es zuletzt zur vollendeten Blasphemie: auf Gottes Altar zu Zion sein Leben und seine Kraft Gott zu weihen, dort früh und spät das Gelöbntß vollziehen zu lassen, sein Blut und sein Gut, seine Triebe und seine Kraft Gott in Erfüllung seines Gesetzes hinzugeben, wie es in seinem Allerheiligsten ruhte, und auf der Altarhöhe Alles zur Hingabe an sein zum göttlichen Wohlgefallen läuternd umwandeln-!des Feuer ununterbrochen forderte — und dieses ganze, früh!und spät, in lautester Oeffeutlichkeit, ununterbroche» ,wiederholte Nationalgelöblliß fortwährend durchs ganze Nationalleben der Wirklichkeit Lügen zu strafen. Diese Blasphemie hat uns begraben, hat den Tempel zu Zion zweimal in Schutt geworfen und uns als seiner unwürdig hinausgewiesen, bis wir durch alle die langen und bangen Prüfungen hindurch endlich werden reif geworden sein, auf ureignem Boden fortan ohne Rückfall ein Leben zu entfal-