Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1859-1860)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1860)
- Article
- Preßprozeß Sebastian Brunner contra Ignaz Kuranda
- Date
- 1860-07-01
- Page
- 568 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2932754-2932877-2932888-2944904--05800-2944992- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
568 Preßprozeß. sache war nur ein Exposä meinem Publikum gegenüber, das nicht gewohnt ist, in der Ost-Deutschen Post eine persönliche Polemik M finden; ich mußte mich entschuldigen, daß ich aus meinem gewöhnlichen Ton fiel, und mußte sagen: Es ist dieses nicht meine Schuld, ich habe einen Gegner, der Jahr aus, Jahr ein einer Reibung bedarf und entweder mit dieser oder jener Zeitung fich herum schlägt. Lange Zeit hatte er es mit der ״Presse" zu thun; er ist dadurch in einen Prozeß gerathen, welcher ihm eine Verurtheilung zugezogen hat. Aber die Erwähnung der Verurtheilung war nur Nebensache. Der Prozeß, der ihm gemacht wurde — sagte ich — veranlaßte ihn, die ״Presse" fahren zu lassen, und nun kommen wir an die Reihe. Es war dieses, wie gesagt, nur ein historisches Expose an der Spitze des Artikels, um gleichzeitig meinem Publikum darzulegen, wie ich dazu gekommen, über die Juden so viel zu schreiben, was in der Ost-Deutschen Post sonst selten der Fall war, und warum ich plötzlich eine so lebhafte Polemik, scheinbar gegen eine Person, in der Wirklichkeit aber gegen ein Princip beginne. Die Absicht der Schmähung — ich versichere dies nicht, um mich zu vertheidigen — lag mir ferne. Präsident: Es muß aber doch angenommen werden, daß Sie der Verurtheilung Erwähnung gethan haben, gleichsam um ihm einen Vorwurf zu machen und ihn als Mann hinznstellen, der solche Reibungen gewohnt sei. Ist das nicht eine Art Schmähung? Herr Kuranda: Wenn es eine Art von Schmähung sein soll, so könnte es höchstens eine Unterart sein — ich mußte ja sagen: Dieser Herr treibt Jahr aus Jahr ein ״Krakeel"; ich mußte beweisen, daß ihm das Polemisiren Bedürfniß ist; ich mußte einen Beweis dafür ansühren, und mußte deshalb sagen: Dieser Herr hat einen Prozeß mit der ״Presse" gehabt und scheut sich, wieder mit der ״Presse" anzudindeu. Seit der Zeit, wo jener Prozeß zu Ende ging, macht die ״Kirchenzeitung" mein Blatt, die Ost-Deutsche Post, gleichsam zu ihrem Prügelknaben. Auf dieses Faktum mußte ich Hinweisen, und es ist nicht meine Schuld, daß es eben ein Faktum ist. Präsident: Sie sagen also, Sic hätte» das Faktum ange- ^ührt als historische Thatsachc und wüßten sich nicht zu erinnern,